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Der jüdische Student · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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22 falls bleiben, daß es keine wichtigere Aufgabe für die Verbindungen geben kann, als die Berufswahl der jungen Bundesbrüder zu überwachen. Bei denjenigen Bundesbrüdern, die als Nichtzionisten zu uns kommen und denen eine Berufswahl in unserem .Sinne nicht zugemutet werden kann, ist diese Aufgabe in dem Augenblick von der Korporation zu erfüllen, wo der Bundesbruder diejenige Festigkeit seiner zionistischen Gesinnung erreicht hat, daß ihm die Bedeutung der Berufswahl aufgeht. Dabei halte ich die übermäßige Ängstlichkeit, Menschen zur Berufsänderung zu veranlassen, nicht für so ungeheuer erheblich. Wer heute mit 18 Jahren Abitur macht, kann ruhig nach 2 — 3 semestrigem Studium, wenn er die Notwendigkeit selbst erkennt, umsatteln, und einen anderen Beruf ergreifen, er wird noch immer früher fertig werden, als die zahlreichen Kriegsteilnehmer, die 4 Jahre glatt verloren haben. Gerade hier beginnt im Kartell eine meines Erachtens unrichtige Ängstlichkeit. Alois Fischer stellte fest, daß von 503 Münchener Studenten sich 320 erst im Verlauf ihres. 3. Semesters über das einzuschlagende Studium ins klare kamen und daß jeder fünfte richtig umsattelte. Es ist nicht anzunehmen, daß diese Statistik bei Juden wesentlich anders ausfallen würde. Die Aufgabe der Korporationen ist es auch, den Bundesbrüdern während des Studiums zu helfen und ihnen keine Schwierigkeiten zu machen. Endgültig gebrochen muß mit der Auffassung werden, als ob derjenige, der seinen Beruf vom ersten Tag an ernst nimmt, ein Philister wäre, oder als ob es Aufgabe der Korporation sei, den Bundesbruder derartig mit Veranstaltungen zu überhäufen, daß er zu seiner Berufsarbeit in den ersten Semestern nicht kommt Ich glaube, daß ein gesunder und lebendiger Korporationsbetrieb sich ohne weiteres mit ernster Berufsauffassung verbinden läßt, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist. Keineswegs rede ich dem mir ganz unsinnig erscheinenden Vorschlage das Wort, die Korporationen aufzulösen und Fachverbände an ihre Stelle zu setzen. Von der Unmöglichkeit ganz abgesehen, dies in Provinzkorporationen durchzuführen, erscheint es mir auch prinzipiell völlig verkehrt. Dagegen bin ich natürlich für Zusammenschluß derjenigen Bundesbrüder, die dasselbe Studium haben, zu Fachverbänden. Diese müssen aber neben der Korporation hergehen und nur bei den älteren Semestern wird vielleicht der Schwerpunkt der Tätigkeit in die Fachverbände zu legen sein. Ich warne davor, diese Fachverbände, deren Förderung das Berufsressort sich zur Aufgabe zu machen hat, mit organisatorischem Kram zu . belasten. Es ist ganz zwecklos, alle Lehrer des Gesamt - K. J. V. zusammenzuschließen und nun etwa mit der bei uns üblichen Fülle von Rundschreiben und Fragebogen über sie herzufallen. Nur als kleine Arbeitsgemeinschaften kann ich mir die Fachverbände fruchtbar vorstellen. Beim Praktikantenbund wird manches anders liegen, hier wird man den vielfach allein in nichtjücischer Umgebung befindlichen Praktikanten durch zahlreiche Rundschreiben den Zusammenhang mit der Bewegung vermitteln müssen. Ein letzter wichtiger Punkt bleibt noch zu besprechen. Wenn irgend ir.öglich. müssen wir versuchen, die Einwirkung - in Beziehung auf die Berufswahl früher beginnen zu lassen. Und hier eröffnet sich eine entscheidende Aufgabe für unsere Jugendarbeit. Es ist natürlich völlig richtig, daß der Blau-Weiß es leichter hat, auf eine Berufswahl seiner Menschen hinzuwirken, als das K. J. V. Unsere Aufgabe ist es, überall da. wo wir Jugendarbeit leisten, so früh wie irgend möglich auf eine entsprechende Berufswahl hinzuwirken. Ich hoffe, es ist nicht nötig zu betonen, daß hierbei der zionistische Gesichtspunkt und nicht der des K. J. V. entscheidend ist. Man soll also jungen Menschen zureden, Landwirt und Handwerker zu werden, wenn sie Lust und Neigung dazu haben, auch auf die „Gefahr'' hin, daß diese Menschen später nicht K. J. V.er werden. Überhaupt möchte ich bei dieser Gelegenheit von reuem verlangen, daß keine K. J. V.-Verbindung existieren darf, die nicht

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