Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehung und Beruf. 'kission näher eingegangen werden*). Ich betone, was ich schon oben sagte, daß auch ich glaube, daß der Aufbau Palästinas ohne das Privatkapital undenkbar ist. Ich persönlich bedaure das, andere mögen es erfreulich finden. Aber gerade wir, die wir dem eindringenden Privatkapital mit großem Bedenken gegenüberstehen, müssen den Wunsch haben, daß Menschen als Vertreter kapitalistischer Institutionen nach 'Palästina gehen, die diesen Beruf nicht als ein Mittel zu großem matesEllen Gewinn, sondern als Arbeit für die Gesamtheit auffassen. Gerade unsere charaktervollsten und zuverlässigsten Menschen können und sollen sich diesen Berufen zuwenden. Zum medizinischen Beruf will ich hier nicht viel sagen. ISas Tempo der Kolonisation wird entscheidend für die Zahl der Ärzte ^ein, die drüben gebraucht werden. Die Konkurrenz, die den deutschen Monisten aus fast allen Ländern des Galuth hier erwächst, ist sehr groß. Em übrigen verweise ich auf die Resultate, zu denen Auerbach und Brünn sif dem Palästina-Delegiertentag kamen. Ich kann allen denjenigen, die den ständigen Hinweis auf Palästina äls verantwortungslos^bezeichnen und dem gegenüber, auf die Möglichkeiten des Ostens hinweisen, den Vorwurf mangelnder Verantwortlichkeit mr zurückgeben. Palästina ist grundsätzlich den deutschen Zionisten geöffnet, es Jst ein Land starker Einwanderung und braucht Kenner auf dien Gebieten. Es ist endlich ein Land, wo zwar vielleicht nicht absolute Ruhe herrscht, aber jedenfalls soweit geordnete Verhältnisse, daß eine Arbeit nicht unmöglich gemacht wird. All das trifft für den Osten leider Gottes nicht zu. In dem Chaos des Ostens hat sich bisher cfer kleine litauische Staat behauptet. In ihm ist eine Fülle jüdischer 'Schulen entstanden, eine Fülle; die meines Erachtens keineswegs gesund ist, an der aber, wie Euch bekannt ist, jedenfalls eine Reihe von Lehrern, titig ist, dagegen ist das polnische Schulwerk, das 'im Kriege blühte/ fest völlig zusammengebrochen. In allen anderen Berufen haben wir keinerlei Erfahrungen, und so gut ich mir vorstellen kann, daß jüdische fete in den Städtchen, daß jüdische Genossenschaftler in dem entstehentoi Genossenschaftswesen, daß Organisatoren, Ingenieure und NationalökonGmen in den Gemeindeverwaltungen fruchtbare Arbeit leisten können, ssr wenig halte ich es im Augenblick für ratsam, diesen Dingen mit zu großer Sicherheit entgegen zutreten. Viel eher dagegen scheint mir wertvolle jüdische Arbeit in Deutschland geleistet werden zu- "können. Auch hier ist Gelegenheit, von einer inneren Unaufrichtigkeit im K. J. V. zu sprechen. Ein Bundesbruder hat den Unterschied zwischen £J. V. und Blau-Weiß darin gesehen, daß wir gegenüber der einseitigen palästinensischen Orientierung die Golusarbeit als gleichwertig betrachten. End dabei finden wir für die 4 — 5 Posten als zionistische Provinzsekretiäi'e keine Bewerber. Es ist ein trauriges Zeichen, daß die verhältnismäßig wenig zahlreichen Beamtenposten innerhalb der zionistischen Organisation nicht besetzt •■werden ö n ri e n. Unsere ganze durch die Arbeitsämter geleistete Ostjudenarbeit leidet unter dem ständigen Mangel an Menschen. Ich aaenne zweitens einen Punkt, der ja von einer gewissen Richtung im fernsehen Zionismus angeblich so besonders geliebt wird, die Gen-eindearbeit. Es ist eine Naivität, zu glauben, daß die von Herzl geforderte Eroberung der Gemeindestuben dadurch erreicht werden kann,. 3a ß es uns gelingt, als Minoritäten in die Repräsentanten Versammlungen m kommen. Auch die Gemeinden können nur von unten erobert werden. Schaffen wir wirkliche Fachleute, die bereit sind, Gemeindearbeit zu öeisten, insbesondere Kenner sozialer* Volksarbeit, dann werden die Gemeinden gar nicht anders können, als unsere Fachleute dem traurigen (Personal vorzuziehen, das heule die Gemeindestuben erfüllt. Drittens nenne ich den Lehrer. Daß die jüdische Schule in Deutschend einmal kommen wird, ist mir klar, wenn auch vielleicht der Zeit- *) Das ist leider nicht geschehen. F. L.