Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehung und Beruf. Notwendigkeit, tüchtige Handwerker heranzubilden, es ist auch In dieser Roehtung im Blau-Weiß bereits in einigen Fällen die Berufsentseheidmiggetroffen worden. Wenn ich hier den Beruf des Landwirtes und des Handwerkers an & Spitze gestellt habe, so bin ich mir darüber klar, daß er auch in künftigen Fällen im K. J. V. nur selten gewählt werden wird. Daß Ick ihm erwähne, geschieht vor allem deshalb, weil, wie ich nachher ■ sqszuSihren haben werde, unsere Tätigkeit sich nicht darauf zu beschränken hau, die Berufswahl der Bundesbrüder zu beraten, sondern weil wir aiach in den Jugendorganisationen, in denen wir arbeiten, in dieser Beziehung wichtige Arbeit zu leisten haben. Gehen wir zu den akademischen Berufen über, so will Ich rnüsh kurz fassen, weil gerade diese Fragen in unserem Kreis viel diätutiert worden sind und über sie verhältnismäßige Klarheit herrscht Das gilt in erster Linie vom Lehrerberuf, wo ich statt weiterer Ausführungen mich auf die Artikel von Erich Buchholz und Ernst Simon in der Jüdischen Rundschau Nr. 83,84 beziehen will. Nur einige ergänzende Gesichtspunkte will ich anführen. Zunächst. Es ist überaus gefährlich, die augenblicklichen Schul Verhältnisse in Palästina anders an» zusehen als rein vorübergehend. Wie mir Herr E. M. Lipschitz - Jerusalem* auit eine Anfrage mitteilte, wird zurzeit in Palästina an keiner einzigen Scinle Latein oder Griechisch gelehrt, während vor dem Kriege, wie Euch bekannt sein wird, die beiden Gymnasien wenigstens Latein unterrickteten. Ich glaube, es ist ohne weiteres einleuchtend, daß das nur ein vorübergehender Zustand sein kann, umsomehr, wenn die ösäversitat in absehbarer Zeit ins Leben tritt. Speziell für Griechisch spsidst bei uns von dem Kulturwert, den es für jedes Volk hat, abgesehen die Tatsache, daß das Verständnis eines großen Teils der jüdisdfeeis Gescüchte und Kultur ohne Verständnis der gleichzeitigen griechischen Kulur absolut unmöglich ist Darum glaube ich. daß Altphilologen in Paüstina wieder nötig sein werden, wenn auch in diesem Augenblick für sie im Lande keine Verwendung ist. Was die neuere Philologie anbetrifft, so hat die politische Entwicklung zu einer starken Betonung des Englischen, einer ebenso starken Zurückdrängung des Deutseben und eins* ziemlichen Zurückdrängung des Französischen geführt. Nun Ist es Mar, daß die herrschende Stellung des Englischen bleiben wird, \md das Deutsche möglicherweise im Schulunterricht keine Rolle auch in der Zukunft spielen wird, zumal ja in Palästina an und für sich schon verMitnismäßig mehr Sprachen getrieben werden müssen als in Europa. Über die Zukunft des Französischen ist es schwerer, sich eine Vorstellung* zu jnachen. Man berücksichtige immerhin, daß es in Ägypten trotz 40-]2hriger englischer Okkupation seine beherrschende Stellung nicht eingebißt hat und noch heute im ganzen vorderen Orient gesprochen wird. Da Palästina im übrigen im Norden an französisches Gebiet grenzt, und die Antipathie, die gegen deutsche Kultur im englischen Gebiet woM noefe lange herrschen wird, gegenüber dem Französischen nicht in Frage konnnt. bin ich von einer Zukunft des Französischen in palästinischem Schadwesen ziemlich überzeugt. Betont wird dann von Lipschitz die Notwendigkeit, tüchtige Lehrer für Geschichte und Geographie heranzubilden, speziell für letzteres Fach, das ja Juden im allgemeinen wenig zu liegen pflegt. Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer werden bei uns im allgemeinen mit Unrecht sehr wenig berücksichtigt. Diejenigen, die Naturwissenschaften studieren, denken im allgemeinen nicht an eine Tätigkeit als Lehrer. Unterstreichen will ich zwei von Erich Budaliclz in dem genannten Artikel genügend hervorgehobene Gesichtspunkte. Einmal, daß ein wirkliches jüdisches Palästina nur möglich ist, wem nicht die Städte, sondern die Kolonien kulturelle Mittelpunkte des Lanic-s werden. Die lerneifrige und bildungsstrebende jüdische Jugend wird es niemals in den Kolonien aushalten, wenn man ihr dort eine