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Der jüdische Student · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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rrziehung und Beruf. 17 Landwirtschaft und des Gärtnerberufes zu betonen. Das ist jedenfalls ein Punkt, wo wir die Verhältnisse in Palästina absolut klar und eindeutig übersehen können. Das ist auch ein Beruf, wo politische Schwierigkeiten für deutsche Zionisten nicht vorhanden sein werden. Das ist auch derjenige Beruf, über dessen Möglichkeiten wir dadurch etwas genauer informiert sind, weil die Bundesleitung des Blau- Weiß durch die etwa 15 Blau-Weißen, die jetzt bereits als Landwirte nach Palästina gegangen sind, immer und immer wieder erfahren hat, daß selbst bei der augenblicklich noch herrschenden Arbeitslosigkeit ausgebildete Landwirte stets eine Möglichkeit finden. Daß im übrigen für diesen Beruf vor allem die Tatsache spricht, daß ein jüdisches Palästina ohne wirkliche Verbundenheit mit dem Boden undenkbar ist, und daß dem jüdischen Volke nichts so fehlt wie Menschen, die zum Boden, zur Natur und zur Arbeit wieder ein gesundes Verhältnis gewonnen haben, braucht nicht erst gesagt zu werden. Ihr wißt, daß dieser Beruf von einer verhältnismäßig großen Anzahl von Blau-Weißen gewählt worden ist, und daß ein Zusammenschluß der noch in Deutschland weilenden Praktikanten zu einem Praktikantenbunde, dessen Vorsitzender Max Hirsch ist, stattgefunden hat. In vereinzelten Fällen sind auch Bundesbrüder bereits zum landwirtschaftlichen Beruf übergegangen. Es wird im allgemeinen angenommen, daß die zu uns kommenden Menschen gewöhnlich bereits zu alt sind, um diesen Beruf zu ergreifen.' Aber das ist nach den bisher vorliegenden Erfahrungen als allgemeiner Grundsatz durchaus nicht richtig. Mehr als bei jedem anderen Beruf ist freilich bei der Landwirtschaft beides, Neigung und Fähigkeit erforderlich. Sowohl das Arbeitsamt wie der Praktikantenbund haben immer den Grundsatz vertreten, daß die Schwierigkeiten mit aller Deutlichkeit und mit allem Ernst vorzustellen sind, die dieser Beruf mit sich bringt. Wer aber in voller Erkenntnis der Schwere des (Berufes ihn ergreift, der braucht durchaus nicht zu befürchten, daß er mit 18 oder 20 Jahren für einen derartigen reruf zu alt sei. Es ist gewiß wahr, daß die besten Landwirte diejenigen werden, die auf dem Lande aufgewachsen sind und als Kinder begonnen haben, dem Vater bei der Feldarbeit zu helfen. Derartige Menschen haben wir nicht, und werden sie nie bekommen, wenn nicht die jetzige Generation einmal dafür sorgen wird, daß ihre Kinder in dieser Weise auf dem Lande aufwachsen. Noch ein Gesichtspunkt muß hier hervorgehoben werden, umsomehr, als meine diesbezüglichen Ausführungen auf der Erstchargiertentagung mißverstanden wurden. Ich habe damals gesagt, daß die palästinensischen Vertreter in London immer wieder betonten, wie notwendig man gerade die Chaluzim aus Deutschland drüben brauche und habe gesagt, daß der Osten die notwendigen wirklich vorgebildeten Landwirte vorläufig nur in ganz geringer Zahl liefern könne. Man hat mir dies als eine Überschätzung der Bedeutung des deutschen Zionismus angerechnet. Nichts liegt mir ferner. Was ich konstatierte, ist ja sonnenklar. Bei dem ununterbrochenen Kriegszustand im Osten, bei dem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch des dortigen Judentums können wir nicht damit rechnen, daß die dortigen zionistischen Organisationen die Ausbildung landwirtschaftlicher Chaluzim in größerem Maße in die Hand nehmen können. Da dies andererseits in England und Amerika ganz gewiß nicht der Fall sein wird, folgt, die außerordentliche Bedeutung deutscher landwirtschaftlicher Chaluzim, da eben kein anderes Land heute so sehr die Möglicheit beruflicher Vorbildung bietet wie Deutschland. Neben dem landwirtschaftlichen Beruf hat man von Jahr zu Jahr immer stärker auf handwerkliche Berufe hingewiesen. Ihr wißt, daß zwar ein sehr großer Teil des jüdischen Volkes vom Handwerk lebt, daß es aber nur ganz bestimmte wenige Handwerks:--\veige sind, die ausgeübt werden, und daß auch in diesem von einer sachgemäßen Berufsvorbildung keine Rede sein kann. Es entsteht die dringende

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