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Der jüdische Student · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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16 Erziehung und Beruf.. vdleni Recht darauf hingewiesen worden ist, daß die Möglichkeit kaufmännischer und industrieller Betätigung in Palästinaeine große sein wecL Es fragt sich nun, ob unter den gegenwärtigen Umstanden,, also . ari Beginn der Aufbauarbeit überhaupt gesagt werden kann, welche Benie in Palästina erforderlich sind und auf der anderen Seite, ob bei de* höchst unsicheren Zukunft der Diaspora in Beziehung auf diese irgendwelche Richtlinien gegeben werden können. Man weist darauf hin,"daß v$r einigen Jahren etwa der nationalökonomische Beruf vielfach emp- &nlen wurde, und daß man bereits heute erkennen muß, daß diese Empfehlung nicht gerade immer richtig gewesen ist Man befürchtet; daß aB± heute vorgeschlagene Berufe sich in kurzer Zeit als falsch erweisen •ksnnen. Was den Osten anbetrifft, so .ist die Existenz des litauischen Slaates zweifellos nicht als gesichert anzusehen, ob in. Palen für deutsche Staatsangehörige jemals Betätigungsmöglichkeit sein wird, ist recht uescher, und in der Ukraine ist der Zusammenbruch: ein derartiger und cfe Wiederkehr normaler Verhältnisse so wenig abzusehen, daß sie .sicherlich heute nicht als ein Feld der Betätigung; für deutsche Juden abgesehen werden kann. Diese Argumente sind, soweit sie sich auf Osteuropa beziehen, m. E. völlig richtig. So sehr ich glaube, daß bei Wiederkehr normaler Verhältnisse der Wiederaufbau des ostjüdisdhen / Ijäbens die allergrößten Kräfte beanspruchen, wird, so wenig läßt, sich teile bereits übersehen, wann dies der Fall sein kann. Weniger begründet scheinen mir die Bedenken in Beziehung, auf Palästinas Eins nu£ allerdings grundsätzlich gesagt werden: auch in den normalsten issrischaftlichen Verhältnissen könnte niemand imstande sein, mit Erfolggssntie in Berufsfragen zu raten. Jede Berufswahl ist ein Risiko, Das tarn in Palästina auch nicht anders seinv und ich halte es für ganz nasiiehrt, zu glauben, daß diese Unsicherheit sich in. einigen Jahren geiäaiiert habenwird Entscheidend ist nämlich auch hierfür die Lage im". (IMen. Tritt dort Ruhe ein, so wird der Osten vielleicht in Fülle Menschen müh Palästina entsenden können, die wir heute von dort nicht, erwarten lernen und aus Deutschland beschaffen müßten. So bedauerlieh es; ssh mag, wenn im . einzelnen Falle sich, herausstellt, daß für einen be-- sünmten Beruf die Möglichkeiten nicht so gute sind, wie erwartet, wurde, so wenig ist dieses Argument geeignet, die Unmöglichkeit jeder Jteufsberatung im gegenwärtigen. Augenblick zu zeigen. Iia übrigen snd die Verhältnisse, nachdem in Palästina leidliche Ruhe; eingetreten is; nachdem uns die politische Situation und das ganz ungefähre Tempoäs Aufbaues durch die Zahl der im ersten Jahre Einwandernden ge- <^>en ist, soweit geklärt, wie es im Augenblick erwartet werden kann. Hier möchte ich Gelegenheit nehmen, ein Mißverständnis aus der Welt zu schaffen. Meine Rede auf der Erstchargiertentagung ist viel-;fech unter dem Gesichtspunkt angegriffen worden, daß ich zwischen; jidischen und. nichtjüdischen Berufen geschieden hätte, Hier liegt ein. Mißverständnis zu Grunde. Selbstverständlich ist die Berufswahl als. siehe national völlig belanglos. Wer Landwirt wird., um sich ein deutxdies Rittergut zu kaufen, handelt national ebenso wertlos wie derjenige, . cer Rechtsanwalt in Berlin wird. Der Ausdruck „jüdischer Beruf'4, den ch m. E. nie gebraucht habe, ist deshalb zu vermeiden. Richtig aber ist* ibß die Lage des jüdischen Volkes im allgemeinen, die Erfordernisse Palästinas im speziellen, die langjährige Verbundenheit mit dem Ghetto, .ind die Überwindung der Gheitoeigenschaften gewisse Berufe besonders empfehlenswert macht, während sie andere als weniger wichtig erscheinen läßt. Will man in diesem Sinne einen Beruf als ijidisch bezeichnen, etwa den des Landwirts, so ist das eine nicht empfehlenswerte Ausdrucksweise, der aber ein richtiger Gedanke zu Grunde liegt. Jede Berufsberatung allgemeiner Natur wird immer wieder damit beginnen müssen, die absolut ausschlaggebende Rolle der.;

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