Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 18 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3537599-3537761-3537762--5126-3543237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
14 Erziehung und Beruf. eines Radikalismus rühmt, und ihn predigt, den man nicht sss Leben unsetzt. Es liegt auch eine gewisse Umvahrhaftigkeit darin. sisll Menscien solche Lehren predigen und aussprechen, die ihnen nidst selbst Genüge getan haben. Niemand predige den Idealismus, den Dienst am Vdke, die Verachtung materieller Güter, der selbst einen Bens ausübt, der mit allen diesen Anschauungen in Widerspruch steht Es kommt mn einmal überaus darauf an. wer eine richtige Lehre aufsteSL 7 Von welchen Gesichtspunkten muß die Berufswahl eines KL J_V.ers im allgemeinen getragen sein? Es gibt hier verschiedene Formm&rengen, uiä man glaubt mit Unrecht, aus ihnen Widersprüche herleiten sst sollen. Mm nimmt an, daß eine Vergewaltigung stattfinden soll, daß mau Menschen trotz bestimmter Neigungen und Fähigkeiten zu einem Berufe den Rai gibt, einen anderen zu wählen, weil dieser aus irgendweletien zionMschen Gründen erforderlich erscheint. Deshalb sei hier em fü~ alleirai und, wie ich hoffe, mit absoluter Klarheit folgendes gesagt: Wenn wir wollen, daß Menschen aus dem inneren Zwiespalt zwiscises Beruf un± zionistischer Gesinnung herauskommen, wenn wir mit anderem Worten unsere Menschen zu einem einheitlicheren Leben führen, und damit glücklicher machen wollen, so wäre es in der Tat das Verkehrteste und Verantwortungsloseste,- wenn wir das auf diese Weise zu erreichen sudien, daß wir sie nunmehr zu Berufen führen, zu denen sie keine Nei.- gurg haben, daß wir von ihnen sogenannte Opfer in ihrer Berufswahl um des Zionismus willen verlangen und damit neues Unglück heraufbeschwören. Ich glaube, daß das jüdische Volk genug Mensches hat, die, sei es durch ihren Beruf, sei es aus anderen Gründen, zerrissene, imglücklichs Menschen sind. Mit solchen Menschen können wir niemals Palästina erbaten, niemals ein starkes, jüdisches Galuth schaffen. Wer wirken und schaffen will, kann es nur aus einer gewissen inneren Sicherheit und Zufriedenheit heraus tun. Nicht an sattes Bourgeoistnm ist hier gedieht, an Menschen, die behaglich auf ständige Erfolge ihres Lebens . blieben können, wohl aber daran, daß nur der die innere Freiheil und Unbefangenheit hat, die zu jeder produktiven Tätigkeit erforderen ist, der nicht ständig bei sich die schwersten inneren Hemmungen überwindet Deshalb glaube ich, daß der wichtigste Satz bei jeder Berufsanlaiung sein muß, denjenigen Beruf, zu wählen, zm dem N eiig ungen und Fähigkeiten führen. Hierzu ist fkjö \Terschkdenes zu sagen, Neigungen und .Fähigkeiten sind gerade hm uns keineswegs identisch. Die meisten bringen nur sehr unklare Vorstellungen von den einzelnen Berufen mit sich und sind sich im übrigen assdh über ihre Fähigkeiten keineswegs immer im klaren. Ich möchte schon Mer Gelegenheit nehmen, alle Interessenten auf das ausgezeichnete Bsä ^on A1 ©i s Fischer über „Beruf, Berufswahl und Berufsberatung als Erziehungsfragen" hinzuweisen. Ida werde noch öfter Gelegenheit nehmen, auf dieses Buch zurückzukommen. Fischer hat durch Enqueten bei zahlreichen Münchener Studenten außejnördentlich interessante Ergebnisse über die Art der Berufswahl gegehsm. An dieser Stelle ist "zunächst zu erwähnen, daß es auch ihm aufgefallen ist, wie ungeheuer wenig die Münchener Studenten von den Berufen^ die sie wählen und denen, die sie ablehnten, wußten. Fast keiner hat Gelegenheit gehabt, in die Arbeit eines Berufes einmal selbst hineinznMcken, sontern man kannte die Berufe nur aus Schilderungen Erwachsener- Das zeig* sich besonders auffallend bei geborenen Großstädtern. Es liegt na ticlich bei uns sehr ähnlich. Och denke, es wird niemanden geben, der dieser ersten These, daß Neigingen und Fähigkeiten die Grundlage für jede BerufswaM sein müsen, widersprechen wird. Hier aber entsteht eine außerordentlich wichige praktische Frage. Ich glaube nämlich, daß ein sehr groBer T eäl junger Menschen von vornherein weder durch N eiig u n g , noch durch Fähigkeit zu einem bestimmten