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Der jüdische Student · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
18 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Date
1921-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der dritte Kartelltag. Im Mittelpunkt stand die Frage der Erziehung. Sie wurde eingeleitet durch das ausgezeichnete Referat über Berufsberatung. Auch hier ist man frei von Phrasentum und leerer Rederei geblieben. Der alte Streit: „Gibt es jüdische oder 'unjüdische Berufe?" scheintbegraben. Feststellen kann man nur, es gibt Berufe, die zurzeit mehr erforderlich sind als andere, eine Tatsache, die als augenblickliche Konstellation zu betrachten ist, und die sich im Lauf der Entwicklung, noch ändern kann. Es herrschte prinzipielle Einigkeit darüber, daß man „Berufsberatung" im Kartell durchführen müsse, — sie erstreckt sich natürlich besonders auf die Jugend, die noch keinen Beruf hat oder die noch in der Lage ist, ihren Beruf zu wechseln. Die Fiseher'sche Statistik aus München, die der Referent vorlegte, nach der jeder fünfte Student seinen Beruf wechseln soll, ist ja sehr interessant. Man muß aber mit Statistiken an und für sich sehr vorsichtig sein; ob man diese, die wohl in der Mehrzahl Nichtjuden erfaßte, einfach auf jüdische Studenten übertragen darf, scheint mir zweifelhaft. Tatsache ist, daß früher äußerst wenige K. J. V.er umsattelten, — was allerdings vielleicht^ auch auf die Interesselosigkeit, die damals viele ihrem Studium entgegenbrachten, zurückzuführen ist. Auch darüber war man sich einig: jeden Beruf müsse man zionistisch ausüben und mit den zionistischen Forderungen in Einklang bringen. Mir scheint, daß das neue Ressort für Berufsberatung auch auf diesem Gebiete eine große Aufgabe hat. Restlos war man sich darüber klar, daß diese ganze Frage nur eine Sache der Erziehung ist. Und besonders hervorzuheben ist bei dieser Gelegenheit der Standpunkt, daß das K. J. V. die Aufgabe habe, die jüdische Staatsidee in den Vordergrund seiner Erziehung zu stellen. Natürlich ist keine Identifizierung mit dem uns umgebenden Preußischen Staate gemeint. Es ist nur die prinzipielle Forderung des Staatsgedankens aufgestellt worden, des jüdischen Staatsgedankens, der dem englischen und deutschen zur Seite zu stellen ist, und der seine spezifischen Forderungen hat. Sache und Pflicht des K. J. V.ers ist es, diesen Forderungen gerecht zu werden. Die Divergenzen, die hivrbei auf dem Kartelltag auftraten, waren mehr theoretischer als praktischer Natur. Der jüdische S t a a t s g e d n n k e h a t uns Leitsatz zu sein. E r geht über jegliches Fraktionsinteresse, das ja besonders in der letzten Zeit im deutschen Zionismus sich breit gern a c h t hat. Es geht nicht an, den zionistischen Gedanken mit irgend etwas anderem, Fremden zu identifizieren. Der Kartelltag hat sich zu diesem Staatsgedanke.i bekannt, indem er seine Forderungen zu erfüllen versprach. So wurde das Gebiet der Erzieh u n g und des U n t e r r i c h t s genau festgelegt und erweitert; die Forderungen, die der Kartelltag stellte, sind klar und deutlich in den Anträgen der Erz:eh: i n2skoinr.•?sn

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