Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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292 Neuorientierung schaft und dadurch eine Erstarkung seiner Willenskraft, im Volke zu arbeiten, damit verbunden sein, sofern dieser Unterricht überhaupt fruchtbar, das Wissen haften und nicht nutzlos übermittelt, sondern Taten hervorbringen soll. Diesen Willen erstarken zu lassen, ist nicht durch Ermahnung zur Arbeit und durch Lernen möglich; sondern hierzu bedarf es unbedingt der Einstellung in eine Gemeinschaft, die Aktivität verlangt und dadurch erzieherisch wirkt Kurzum, das K. J. V. kann und darf auf seine „Phraseologie,", Tatgemeinschaft, Lebensgemeinschaft nicht verzichten. Ein bewußter Verzicht darauf macht jede Arbeit sinnlos und schneidet jede weitere Entr wicklung ab. Ich leugne nicht, sondern betone stets die erzieherischen Werte, die im Unterricht liegen, sie können aber. nur zur Geltung gelangen, wenn die Gemeinschaft, in der der Unterricht erteilt wird, eine Aufgabe, ein Streben nach einem Ziele hat — mögen es andere „Phraseologie" nennen —, welchem alles, was in ihrer Mitte geschieht, dienen muß und untergeordnet wird. Denn nur durch den Willen zu gemeinsamer Tat und gemeinsamem Leiten kann etwas Fruchtbares geleistet werden, nur eine lebendige Bewegung vermag die ihr gestellte Aufgabe zu erfüllen. Wie eines Leitsternes bedürfen wir einer Idee, von der alle unsere Arbeit getragen wird, eines weitgesteckten Zieles, dem wir zusteuern. Möge es für den einzelnen der „Volljude" heißen, möge es für unsern Bund die ideale „Tatgemeinschaft", die „Lebensgemeinschaft" sein. Wir werden uns nicht verlieren, wir werden unsern Weg finden. Wenden wir dagegen unsere Augen von jenem Leitsterne ab, der uns überhaupt befähigt, die Richtung unseres Weges zu prüfen, unsere Leistungen absolut zu werten, so ist das Schicksal des K. J. V. entschieden. „Noch ist es aber Zeit, daß wir uns unser Ziel stecken, es ist an der Zeit, daß das K. J. V. „den Keim seiner höchsten Hoffnung pflanze". „Noch ist der Boden dazu reich genug." Neuorientierung*) Von Leo Plant, München Der Worte sind genug gewechselt! Eines jahrelangen, mit der Geburt beginnenden Sterbens bedurfte es, aus dem das „Kartell Jüdischer Verbindungen" als Monstrum eines Bundes von Brüdern nie herausgedämmert ist zu gesundem Leben, um alte K. J. V.-er zu der Erkenntnis zu bringen: daß es ehrlich einmal gesagt werden, endlich gestanden werden müßte: der Weg war falsch! So spricht sich denn der eine Mut zu, indem er glaubt, sich einer revisionistischen Gesinnung nicht schämen zu müssen (siehe letzte Nummer des J. St.), daß „über die Tatsache einer zunächst hoffnungslosen Lage des Kartells kein Wort weiter zu verlieren ist", der andere. Und man erkennt in der ewigen Stunk- und Redewut der Einzelnen-Vielen, daß diese unerfreulichen Eigenschaften nur zum Teil dem jüdisch-zionistischen Akademiker im Blute liegen, daß sie zum weit überwiegenderen Teile jedoch als ein Symptom innerer Faulheit und Stagnation einer zur „Gemeinschaft" zusammengezwungenen Masse jugendlicher Menschen anzusehen ist, die nur insoweit hierfür selbst verantwortlich ist, als sie sich — diese Masse jugendlicher Individuen nämlich — allzu lange allzu stumpf im Herdenmenschentrieb zu den Experimenten irregehender Führer mißbrauchen ließ. So laßt nun endlich Taten sehen! Ein Teil der Münchener K. J. V.-er, als deren einer ich hier persönlich meine Ansicht zu äußern glaube, hat gehandelt; ob gut oder schlecht: es ist etwas geschehen. Folgende Gesichtspunkte sind maßgebend für die vorläufig wenigen, hoffentlich bald vielen: *) Diesen Affekel, der mir weder der Form noch dem Inhalt nach zur Wiedergabe geeignet erscheint, veröffentliche ich lediglich um dem dringlichen Ersuchen des Verfassers Genüge zu tun. B. C.