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Der jüdische Student · 1920-12-01 · Heft 6 (Dezember 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 6 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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Die Zukunft des Kartells 291 weder man geht den Ursachen des Mißerfolges nach und sucht neue Wege, um das gesteckte Ziel zu erreichen, oder man verzichtet auf das Ziel, begnügt sich mit einem geringeren und ist nun zufrieden, dies geringere erreichen zu können. Die letzte Lösung hat ihre Berechtigung, sobald man eingesehen hat, daß die ursprüngliche Aufgabe unerfüllbar war und nicht einmal mit* größtem Kraftaufwand vollendet werden konnte. Solange jedoch noch eine irgendwie berechtigte Hoffnung besteht, der gesetzten Aufgabe gerecht zu werden, darf man nicht davon ablassen, immer wieder auf ihre Vollendung hinzuarbeiten, selbst wenn man auch noch so fern sich von ihrer Erfüllung glaubt. Es bedeutet daher das Dahinsiechen und den Tod einer Gemeinschaf t von Menschen, weiche ohne Zweifel genug Kräfte in sich tragen, eine Aufgabe zu erfüllen, wenn diese Menschen, weil sie es einmal an der nötigen Stärke mangeln ließen, von vornherein auf die künftige Erfüllung ihrer Aufgabe Verzicht leisten und sich mit kleinen Arbeiten zufrieden geben. Der Erfolg ist zunächst erreicht! Es herrscht wieder Zufriedenheit — sofern die neue kleine Aufgabe verwirklicht und nicht wiederum zwecks Herstellung einer „gesunden" zufriedenen Stimmung nochmals verkleinert wird. Es entsteht dann jene ungesunde stickige Atmosphäre von Selbstzufriedenheit übelster Art. Die Gemeinschaft wird dann zu einer Herde von jenen „letzten Menschen". „Sie haben die Gegenden verlassen, wo es hart war, zu leben, denn man braucht Wärme." „Man arbeitet noch, denn Arbeit ist eine Unterhaltung, aber man sorgt, daß die Arbeit nicht angreife." Eine Zurücksetzungdes Zieles unseres Kartells, eine Verengerung unserer Aufgabe stellt der im letzten J. St. erschienene Aufsatz über die Zukunft des Kartells dar. Das K. J. V. soll keine Tatgemeinschaft, keine Lebensgemeinschaft mehr sein, sondern lediglich eine Organisation von Akademikern, welche für die elementare zionistische Durchbildung ihrer Mitglieder zu sorgen hat. Die Forderung wäre berechtigt, wenn das bisherige Ziel des K. J. V. unerreichbar wäre. Sie ist jedoch bei Bestehen der geringsten Hoffnung zu verwerfen. Da nun tatsächlich die Hoffnung besteht, daß „zu diesem engen Programm ein Überbau hinzukommt und aus der Organisation ein Organismus wird", warum sich also bescheiden und sich mit dem Programm einer „Akademiker-Organisation" begnügen! Aber angenommen, es gebe keine Hoffnung mehr, was ich persönlich nicht glaube, daß aus dem K. J. V. eine starke Bewegung hervorwäehst, wäre dann das Mittel, eine Akademiker-Organisation, welche für die elementare zionistische Ausbildung ihrer Mitglieder sorgt, zu konstituieren, eine wirkliche Hilfe? Was ist das Primäre? Der Wille eines Menschen, ein Ding zum Objekt seiner Pflicht zu machen, oder seine genaue Kenntnis von diesem Dinge? Daß letzteres die Bedingung des ersteren sei, dürfte wohl keiner behaupten! In wieviel von unsern Besten gerade erwachte der Wille, in ihrem Volke zu schaffen, dessen Schicksal sie nur ahnten! Denn, um sich von Dingen Wissen anzueignen, gehört vor allem Interesse an der Realität dieser Dinge, die wir hervorbringen wollen, „der Gute schlechthin, um sie hervorzubringen, der Gemeine und Sinnliche, um sie zu genießen". Wo dieser Wille zu gestalten, dieser Trieb, Realität hervorzubringen, fehlt, da ist der Mensch auch unfähig, sich lebendes Wissen zu erwerben. Er kann sich wohl zwangsweise vieles anlernen, der Stoff wird ihm aber nichts Lebendiges sein, nichts was ihm Pflicht und Aufgabe bedeutet, er wird trachten, es möglichst schnell zu vergessen. Es ist ein Unding, eine Organisation zu schaffen, die sich darauf beschränkt, jüdischen Akademikern lediglich zionistisches Wissen beizubringen. Durch Wissen von zionistischen Dingen allein ist noch keine zionistische Aktivität hervorgebracht worden. Es muß vielmehr eine Erziehung, eine Erweckung des in jedem Menschen mehr oder weniger stark vorhandenen sozialen Willens, seines Verantwortlichkeitsgefühls für seine Volksgemein-

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