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Der jüdische Student · 1920-12-01 · Heft 6 (Dezember 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 6 (Dezember 1920)
Date
1920-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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290 Die Zukunft des Kartells dieses wichtige Thema mag auf dem Kartelltag noch näher gesprochen werden. Nur dies sei hier hervorgehoben, daß es hier nicht in erster Linie darauf ankommt, zahlenmäßig große Organisationen zu schaffen, sondern daß ausschlaggebend ist die gute Durchbildung und die Qualität der einzelnen Leute, ein Gesichtspunkt, der auch heute noch bei der Keilarbeit nicht genügend berücksichtigt wird und der bei der Entscheidung über das Verbleiben von zionistisch untätigen Bundesbrüdern im Kartell eine ausschlaggebende Rolle spielen sollte. Von außerordentlicher Wichtigkeit ist es, die . jungen Bundesbrüder so zu erziehen, daß sie organisatorische und technische Dinge nicht mit Verachtung ansehen; wenn es sich auch* hier nur um Mittel zum Zweck handelt, so doch um notwendige Mittel. Ich weise als Beispiel darauf hin, wie furchtbar die Verbindungen und das Kartell dadurch geschädigt worden sind, daß die Verbindungen bei Kriegsausbruch nicht einmal Listen ihrer Mitglieder hatten, wie man infolgedessen mit den einzelnen Bundesbrüdern nicht in Konnex treten konnte und hierdurch der Zerfall des Kartells eintrat öder zum mindesten gefördert wurde. Ich weise ferner auf die Artikel von Kirschner über das. Gedenkbuch und von mir über die Keilarbeit im vorigen J. St. hin. Ich erwähne, heutenochals Beispiel, daß in einer wichtigen Stadt, in der zehn Alte Herren des K, J. V. sitzen, wir von dem gesamten Nachwuchs (ca. 16 Abiturienten) nicht einen Mann bekommen? haben, weil die K. J. V.-er zu spät an die Abiturienten herangetreten sind, ihnen, die Einladung zur Keil Veranstaltung zu spät geschickt haben, dann die Keilfüxe, die überhaupt kamen, wieder entliefen, weil sie voller Entsetzen feststellen mußten, daß die F, W. V. in demselben Lokal eine wohlvorbereitete Keilkneipe an demselben .Abend steigen ließ. Die zweite Keilveranstaltung* der K.J.V.-er mißglückte gleichfalls infolge mangelnder technischer Vorbereitung. Erfolg: In einer Stadt mit einer zahlreichen .jüdischen Einwohnerschaft wird in den nächsten Jahren nicht zionistisch gearbeitet, weil das K. J. V. nicht die Arbeiter stellt. Mit Recht kritisieren wir viel am K. J. V. und an uns, den K. J. V.-ern. Aber diese Kritik darf ebensowenig wie die Freude über gelegentliche Erfolge in Hysterie ausarten. Wir müssen uns doch darüber klar sein, daß das K. J. V. nicht nur eine große Aufgabe hat, sondern auch tatsächlich viel leistet. Man wird sich hierüber erst klar, wenn man die Zusiände in anderen Ländern sieht, z. B. in Österreich, wo es eine Organisation wie das K. J. V. nicht gibt, und wenn man sich nicht immer nur das ansieht, was nicht geleistet wird, sondern auch einmal das, was geleistet wird. Es ist.richtig, daß ein großer Prozentsatz der K.J.V.-er für den Zionismus verloren ist, aber wir müssen diese Auslesearbeit vornehmen, um wenigstens den Prozentsatz herauszubekommen, der sich den zionistischen Verpflichtungen nicht entzieht, und ein Blick auf die Arbeit, die in Deutschland geleistet wird, zeigt uns, daß sie überall fast nur von K. J..V.-ern geleistet wird. Wenn von allen K. J. V.-ern 70 Prozent nichts tun, so sind doch von den Leuten, die überhaupt zionistisch in Deutschland arbeiten, 90 Prozent K.J. V.-er, d.h. die K.J. V.-er sind jauch heute noch die Träger der zionistischen Arbeit, und die Kartellverbindungen, die nach den Erfahrungen dieses Sommers sich erheblich konsolidiert haben, die Stützen der zionistischea Bewegung in Deutschland. Die Zukunft des Kartells Eine Erwiderung von Leo Olitzki, Berlin Zufriedenheit ist ein rein subjektives Gefühl. Sie entsteht aus dem Bewußtsein, ein gestecktes Ziel erreicht, eine Aufgabe der Vollendung entgegengeführt zu haben. , Wo dieses Bewußtsein unter Menschen fehlt, da entsteht Unzufriedenheit, und es muß die Frage gelöst werden, wie diesem Zustand abzuhelfen sei. Zwei Lösungen sind hier möglich. Ent-

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