Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Entwicklung des K.J. V. und seine Aufgaben 289 bindungsieben zu unterhalten". Mit solchen Auffassungen sind unsere Verbindungen nicht durchzuführen. Es ist natürlich richtig, daß das K. J. V: nicht Selbstzweck ist, und daß die Außenarbeit geleistet werden muß. Sie muß aber zurückstehen, wenn die Verbindung dadurch zerbrochen wird, denn es hat sich ja gezeigt, daß unter solchen Zuständen ein Nachwuchs nicht heranzuziehen ist, und es wird ja jeder zugeben müssen, daß uns nicht damit gedient ist, wenn die zionistische Arbeit in einer Stadt zwei Jahre lang gut gemacht wird und alsdann aufhört, weil kein Nachwuchs mehr vorhanden ist. Ich will nun noch einige besonders wichtige Momente aus der Fülle der zu berücksichtigenden Gesichtspunkte herausheben. Turnen und Sport müssen in einem ganz anderen Umfang als bisher in das Leben der Verbindung aufgenommen werden. Mit den üblichen? Kartelltagsbeschlüssen ist uns nicht gedient. Die psychischen Hemmungen gegen die Einführung des Sportes in die Verbindung dürften heutzutage beseitigt sein. Der berühmte Gegensatz zwischen geistig und körperlich hat sich ausgetobt, die Furcht vor Athletenverbindungen ist geschwunden, wohl auch die Auffassung, daß für die körperliehe Durchbildung die Sportkorporationen zuständig seien und daß Turnen und Sport einen gewissen Luxus darstelle. Es ist unbedingt zu fordern, daß in dem Wochenprogramm einer jeden Verbindung Turn- und Sportveranstaltungen den ihnen zukommenden Platz erhalten, daß alle Bundesbrüder an diesen Veranstaltungen vollzählig teilnehmen müssen, soweit sie nicht infolge von körperlichen Gebrechen ausdrücklich davon befreit sind, ferner, daß diese Veranstaltungen unter Leitung von sachverständigen Lehrern stattfinden, und daß alle Bundesbrüder, die irgend dazu fähig sind, sich aufs genaueste und sorgfältigste*im Turnen und den ihnen liegenden Sportarten ausbilden und sich durchbilden lassen. Soweit die genügende Anzahl von hierzu befähigten Bundesbrüdern vorhanden ist, und soweit a u f ausreichenden Nachwuchs aus den Orten selbst gerechnet werden kann, sind Sportverbindungen bezw. selbständige Sportabteilungen einzurichten. Es sei aber nochmals betont, daß durch derartige Einrichtungen Bundesbrüder der anderen Verbindungen sich in keiner Weise von ihren Verpflichtungen in dieser Richtung loskaufen dürfen. Wenn ich auch entsprechend meinem vorjährigen Referat annehme, daß rein gesellige Veranstaltungen immer notwendig sein werden, so bin ich doch der Ansicht, daß durch den Turn- und Sportbetrieb der Mangel an Formen weniger in Erscheinung treten wird. In kleinen Städten kann ein- bis zweimal in der Woche an das Nachmittagstraining auf dem Sportplatz ein „Exbummel" angeschlossen werden. Die Sonntagswanderungen können Gelegenheit zu sportlichen Wettkämpfen ____geben, einander benachbarte Verbindungen können sich, wie dies bereits im letzten Jahr mehrfach, aber noch zu wenig geschehen ist, treffen, gemeinsame Wanderungen machen, hierfür sportliche Wettbewerbe ausschreiben usw. Wenn diese Dinge erst einmal in Schwung gekommen sind, und die technischen Möglichkeiten wieder vorhanden sind, werden sich vielleicht auch bei uns die sogenannten Camps einbürgern^ die in Holland üblich 'sind. Das Rudern und Schwimmen, letzteres insbesondere, wenn es nicht in einer geschlossenen Badeanstalt, sondern im Freien geschieht, bieten von selbst die Möglichkeit, diesen Sportbetrieb auch für die geselligen Bedürfnisse der Bundesbrüder auszunutzen, ebenso die Waldläufe, SM- und Schlittschuhlaufen, Rodeln, Gebirgstouren und ähnliches. Die Sportabteilungen und Sportkorporationen, sowie die Bundesbrüder, die sportlich interessiert sind, müssen in der Turnerschaft mitarbeiten, die ohne die Hilfe der K. J. V.-er nicht allzu viel leisten kann und deren Aufblühen doch von ungeheurer Wichtigkeit ist. Die Durchdringung der Verbindung und der Bundesbrüder mit dem hier geforderten Sportgeist wird es mit sich bringen, daß sich die geeigneten Kräfte für den Ausbau der Jugendabteilungen finden. Über