Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1920)
- Date
- 1920-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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286 Die Entwicklung des K.J.V. und seine Aufgaben bereits fertige Menschen betrachten und glauben, die Erziehungsarbeit des K.J.V; nicht mehr nötig zu haben. Wir sehen immer wieder, wie Menschen, trotz ihrer hebräischen Sprache und ihres jüdischen Berufes, für uns völlig wertlos sind, weil sie sich allen sonstigen Verpflichtungen zur Arbeit für die Gemeinschaft entziehen und weil sie glauben, daß ihre persönliche Berufsausbildung, sie von derartigen Verpflichtungen befreit Wir brauchen Menschen, die sich und ihre Arbeitskraft für den Aufbau des jüdischen Volkes zur Verfügung stellen,, die zuverlässig und bescheiden sind. Wir können hier mit Begriffen arbeiten, die sich weder durch Krieg noch durch Revolution verändern. Wir brauchen Menschen mit Verantwortlichkeitsgefühl für die Durchführung ihrer Arbeiten und mit dem Bewußtsein: unsere nationalen Ziele stehen über den Interessen einzelner Parteien. Ich habe nicht die Absicht, die oben angeführten gegnerischen Ansichten aufs schärfste zu bekämfen, denn ich sehe die Brücke, die uns verbindet, ich trete den Ansichten nicht etwa deshalb gegenüber, weil ich ihre Forderungen für unberechtigt halte, sondern weil ich glaube, daß ihre Forderungen nicht der Ausgangspunkt zur Umänderung unserer Menschen sein können. Ich sehe ihre Forderungen nicht als Grundlagen an, sondern glaube, daß sie Ergebnisse sein müssen. Auch der von mir erhoffte K. J. V.-er darf kein bloßer Arbeiter sein, der sein Pensum herunterarbeitet, er muß sich über alles Gedanken machen und sich mit der Umwelt herumschlagen. Hier haben Ideologien ihren Wert, nicht als Möglichkeiten zur Verbesserung, nicht als Hauptsache und als letzte Forderung oder als Selbstzweck, sondern als Selbstverständlichkeiten für jeden denkenden Menschen. Aber ganz undgar bin ich gegön die bequeme Art, die wir bisher gehabt haben, daß ein Mann, gegen den nichts zu sagen ist, die Ideologie macht und die anderen, gegen die sehr viel zu sagen ist, ihm nachhumpeln oder ihn übertrumpfen, je nach Temperament. Der K.J.-V.-er muß Hebräisch lernen, muß versuchen, den von ihm nach seiner Wahl und seinen Fähigkeiten angenommenen Beruf so zu verwerten, daß er für die Arbeit in Palästina oder im Galuth, jedenfalls für die jüdische Volksarbeit nutzbar gemacht werden kann. Aber dies sind keine ersten Forderungen, durch die man Übelstände beseitigen kann, sondern ihre Durchführung ist erst eine Folge der durch andere Mittel geschehenen Beseitigung der Übelstände. Diese Übelstände aber sind nur zu beseitigen dadurch, daß unsere Leute vom ersten Tage ihres Eintritts in straffe Zucht genommen werden, dadurch, daß sie tatsächlich erzogen werden, und zwar vor allem dazu, übernommene Arbeiten pflichtmäßig durchzuführen und sich überall auch ohne Aufsicht ihrer Verantwortung bewußt zu sein. Eine Hauptsache erscheint mir aber als für das K. J. V. aufzustellende Forderung die Erziehung zu einem nationalen Bewußtsein, das sich nicht durch das Interesse an einzelnen Fraktionen verzehren läßt. Ich muß hier auf die augenblickliche Situation in der zionistischen Organisation etwas eingehen. Ich bin zwar der Ansicht, daß die innere Politik der zionistischen Organisation bisher mit Recht vom Kartell ferngehalten worden ist und weiterhin ferngehalten werden soll, aber das kann uns nicht hindern, unsere Leute so zu erziehen, daß sie nicht den allgemeinen Mißständen im politischen Leben zum Opfer fallen. Ich bin z. B. der Ansicht, daß im K. J. V. nicht der Ort ist, -um Leute auf bestimmte innerpolitische Anschauungen festzulegen. Es war, um ein Beispiel herauszunehmen, durchaus nicht gegen den Sinn des K.J.V., daß auf dem Turntag in den einander bekämpfenden Richtungen K.J.V.-er gegeneinander standen, aber es war bestimmt gegen den Sinn des K. J. V., als ein Bundesbruder, nachdem seine Richtung unterlegen war, erklärte, daß er und die ihm angeschlossene Organisation sich um die Mehrheitsbeschlüsse nicht kümmern würden. Das K. J. V. ist nicht dazu da, seine Mitglieder zu bestimmten Parteien zu erziehen, aber es ist dazu da, seine Mitglieder so zu erziehen, daß sie in jeder Partei dieselben Eigenschaften, Disziplin