Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Bericht des Überweisungsressorts Persönliches Nachwort. " Der Artikel ist im Sommer geschrieben worden. Die Entwicklung hat gezeigt, daß sein Standpunkt richtig gewesen ist. Die Fusion des Ruder-V. J. St. ist nicht vorwärts gekommen (die eigentliche und. meist unüberwindbare Schwierigkeit solcher Fusionen liegt in der Eingliederung der älteren, nicht durch die Erziehung des Kartells gegangenen, nun aber nicht mehr zu beeinflussenden Leute). Die Aufnahme einzelner Nichtakademiker, die nach dem Vorschlag der Kommission sanktioniert werden soll, beträgt in diesem Jahre unter ca. 240 etwa 8 (von denen noch einige die Handelshochschule besuchen). Ein Antrag auf Sprengung des akademischen Rahmens, d. h. auf Ausdehnung der Werbearbeit auf Kaufleute und deren Aufnahme in großem Umfange, ist gerade vom Konvent des Ruder - V. J. St. mit Rücksicht auf seine Erfahrungen abgelehnt worden. Eine solche Ausdehnung wäre — darüber sind sich alle 'Kreise einig — nur möglich, wenn das K. J. V. die Prinzipien aufgeben wollte, nach denen es heute arbeitet. Und diese Prinzipien wollen wir nicht aufgeben, denn sie sind die einzigen, die bei der Erziehung erwachsener Menschen zur zionistischen Arbeit in Deutschland, trotz aller Mißstände, Erfolge gehabt haben. Arthur Stein Bericht des Überweisungsressorts Von Hans JLipschitz, Berlin Die Überweisungsarbeit für das Wintersemester nahm ich nach folgenden Grundsätzen in Angriff. Ich versuchte zunächst, mir durch Einforderung von Überweisungslisten von den Verbindungen einen Überblick über die Stärke der einzelnen Korporationen im Wintersemester zu verschaffen. Nach vielem Mahnen gelang es mir schließlich, diese Listen noch rechtzeitig zu bekommen, wenigstens von der Mehrzahl der Verbindungen. Alsdann teilte ich den Verbindungen mit, an welchen Orten im Wintersemester voraussichtlich Mangel an Aktiven herrschen würde und bat sie, mich durch entsprechende Beeinflussung der zu überweisenden Bundesbrüder bei ihrer Überweisung zu unterstützen. Ich ging dabei von der Voraussetzung aus, daß nur die Verbindungen beurteilen können, ob die Begründungen der Überweisungsanträge der Aktiven stichhaltig sind, und daß sie ihre Mitglieder besser beeinflussen können, als ich es von Berlin aus brieflich tun kann, der ich noch dazu die überwiegende Mehrzahl der Aktiven nicht persönlich kenne. Der Erfolg mehrerer, in diesem Sinne gehaltener Rundschreiben war gleich Null. Die Verbindungen befürworteten wahllos alle Über Weisungsanträge. Von . einer" Beeinflussung der Bundesbrüder bei der Wahl des Studienortes war nichts zu merken» Obwohl ich mir ursprünglich von der Unterstützung durch die Verbindungen viel versprochen hatte, verzichtete ich natürlich nicht darauf, mit den einzelnen Bundesbrüdern zu korrespondieren, um sie im Kartellinteresse zur Wahl bestimmter Studienorte zu veranlassen. Leider hatte auch dies so gut wie keinen Erfolg. Kein einziger stellte sich mir zur Überweisung zur Verfügung. Zum Aufzählen derjenigen Bundesbrüder, die auf meine Bitte ihren ursprünglichen Überweisungsantrag änderten, sind die Finger einer Hand zu viel. Die. sehr große Anzahl der Fälle, in denen ich den Eindruck hatte, daß die Bundesbrüder ihren Überweisungsantrag aus rein egoistischen Motiven gestellt hatten oder nicht aufgeben wollten, machte es einerseits schon an sich unmöglich, gegen alle diese Bundesbrüder mit Ehrenräten oder anderen disziplinarischen Mitteln vorzugehen und zeigte andrerseits, daß der Fehler nicht in der Disziplinlosigkeit einzelner liegt.