Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht des Überweisunesressorts Vielmehr scheint mir das Versagen der Opferwilligkeit der Aktiven bei den Überweisungen als symptomatisch für die Unzulänglichkeit, unserer Erziehungsarbeit in den letzten Jähren. Wollte man aus dem Mißerfolg der Überweisungsarbeit eine Prognose für den Erfolg der weit höheren Anforderungen der zionistischen Dienstpflicht stellen, so müßte man zu einem sehr trüben Resultat kommen, wenn ich nicht so optimistisch wäre, zu glauben, daß es gerade die verhältnismäßig kleinen Opfer sind, vor denen die Bundesbrüder sich drücken. Das Überweisungsressort ist nicht in der Lage, diesem Mangel ab- , zuhelfen. Bevor nicht die Aktiven in den Verbindungen dazu erzogen werden, ihre persönlichen Wünsche den Bedürfnissen der Gesamtneit unterzuordnen, ist das Überweisungsressort machtlos. Die Dinge liegen heute nach Abschluß der Überweisungsarbeit so, daß die Gruppen in Tübingen und Greifswald aufgehört haben zu existieren, daß ferner unsere Verbindungen in Köln, Göttingen, Rostock, Halle und Münster, jiach deren Berichten dort überall gute Arbeitsmöglichkeiten und Keilrfussichten vorhanden sind, aus Mangel an Aktiven nur ein Scheindasein führen werden. Es war nicht einmal möglich, für Leipzig soviel Bundesbrüder zu gewinnen, wie es für ein Kartelltagssemester wünschenswert gewesen wäre, obwohl man hätte glauben sollen, daß gerade der bevorstehende Kartelltag die Aktiven hätte nach Leipzig locken müssen. Da ich es satt hatte, gegen die passive Resistenz der Bundesbrüder . anzukämpfen, legte ich mein Amt als Leiter des Überweisungsressorts nieder. Nach einer Aussprache in einer Präsidiumssitzung habe ich mich jedoch entschlossen, die laufenden Geschäfte bis zum Kartelltag weiterzuführen. Auch in Zukunft wird ein Überweisungsressort notwendig sein; es wird sich jedoch noch mehr als bisher darauf beschränken müssen, festzustellen, welche Verbindungen im kommenden Semester Mangel an Aktiven haben werden, und die Verbindungen darauf hinzuweisen. Sache der Verbindungen ist es dann, dem Überweisungsressort durch Beeinflussung" ihrer Mitglieder diejenigen Bundesbrüder zu stellen, die den notleidenden Korporationen überwiesen werden können. Der Kartelltag Der Kartelltag findet vom 26.-28. Dezember d. Js. in Leipzig in den Kammermusiksälen (Bosestraße) statt. Er wird mit einem Begrüßungsabend am . 25. Dezember eröffnet. Das Programm des Kartelltags geht den Kartellorganisationen demnächst zu. Die Bundesbrüder, die zum Kartelltag nach Leipzig kommen, werden in ihrem eigenen Interesse ersucht, umgehend zwecks Quartierbeschaffung sich an Bbr. Israel Bergwerk, Leipzig, Lampestraße 1, unter Äußerung besonderer Wünsche (koscherer Verpflegung und dergleichen) zu wenden. Es dürfte nicht möglich sein, alle Bundesbrüder in Privatquartieren unterzubringen. In erster Linie werden die Delegierten berücksichtigt.