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Der jüdische Student · 1920-10-01 · Heft 5 (Oktober 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 5 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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228 Die Chargiertentagung \ Am alierschwersten ist dies jedoch durch laiige historische Kurse über die Entwicklung des Zionismus zu erreichen. Es gibt hier zwei Lösungen. „Entweder wir verzichten auf die Keilfüxe, die noch nicht Zionisten sind, oder wir richten unsere Erziehung so ein, daß wir sie möglichst rasch zu d e m Standpunkt des Zionismus erziehen, auf dem wir heute stehen, damit durch sie nicht das Kartell immer wieder durch neuen Ballast beschwert, und eine einheitliche Arbeit unmöglich gemacht wird. Was wollen denn die Menschen, die aus wer weiß welchen Anschauungskreisen zu uns kommen, zunächst von uns? Sie wollen Klarheit haben. Nur bei den allerbesten ist die Aktivmeldung die Folge einer konsequenten, eigenen \ Gedankenarbeit. Die meisten, die zu uns kommen, haben noch lange nicht die Probleme, die an sie neu herangetreten sind, völlig durchdacht. Diesen Menschen, welche nun von uns Klarheit haben wollen, über die Dinge, über welche sie mit sich noch nicht einig sind, müssen wir zunächst helfen. Am allerwenigsten geschieht dies dadurch, indem wir ihnen nun große Kurse über die historische Entwicklung des Zionismus von den ältesten Zeiten ab erteilen. Diese Dinge interessieren sie ja auch zunächst noch garnicht, sondern bei ihren Problemen, bei ihren Kämpfen müssen wir ihnen helfen. Oft werden junge, eben aktiv' gewordene Bundesbrüder mit Keilarbeit beauftragt. Der Mißerfolg ist in vielen Fällen kein Wunder. Wie sollen Menschen für eine Idee werben können, wenn sie selber noch nicht auf festem Boden stehen? Ich glaube, daß die Erziehung und der Unterricht der eben aktiv gewordenen Bundesbrüder eine unserer wichtigsten Aufgaben sein muß. Dieser Unterricht muß einem älteren Bundesbruder anvertraut sein, von dem man die Garantie hat, daß er seinen zionistischen Standpunkt allen nichtzionistischen Anschauungen gegenüber vertreten kann. Der Unterricht, den er erteilt, soll eine Einführung in die zionistischen Probleme sein, vor allem in solche Probleme, welche die jungen Bundesbrüder am stärksten bewegen. Ein Schema über diesen Einführungsunterricht und diese erste Erziehung läßt sich nicht geben. In einer Verbindung, deren Füxe vorwiegend aus orthodoxen Kreisen stammen, würden sie sich wesentlich anders gestalten, " als in einer Verbindung, deren Füxe aus sozialistischen Kreisen stammen. Die Erziehungstätigkeit des hiermit beauftragten Bündesbruders darf sich nicht allein auf Kursstunden erstrecken, sondern er wird viel Zeit auf den persönlichen Verkehr mit den jungen Füxen verwenden müssen. Bisher lag der gesamte Unterricht meistens in den Händen des Zweitchargierten, der zugleich Fuxmajor war. Ich empfehle daher den Verbindungen, außerdem einen besonderen Fuxmajor zu wählen, der nur die soeben geschilderte Erziehungsarbeit an den jüngsten Bundesbrüdern übernimmt. Für diese Arbeit kommen nur die Allerbesten und Tüchtigsten in Betracht. Die Grundlage und die Richtung, die der in unseren Kreis eintretende junge Bundesbruder in seiner allerersten Zeit bei uns erhält und die Intensität, mit der die zionistische Idee ihn von Anfang an ergreift, bilden die entscheidendsten Faktoren für seine weitere Entwicklung. Erst nachdem der junge Bundesbruder vollste Klarheit über die ihn bewegenden Fragen gewonnen, soll man ihn an einem Kursus teilnehmen lassen, der einen historischen Überblick über die Entwicklung des Zionismus gibt und wobei er die Vertreter der verschiedenen Richtungen innerhalb des Zionismus kennen lernt. Dieser Unterricht bürgt eine gtfoße Gefahr in sieh. Die Bundesbrüder lernen die verschiedensten Anschauungen kennen, nehmen von den einzelnen Systemen genaue Kenntnis, ohne doch selbst davon ergriffen zu werden und Partei für und gegen zu nehmen. Bei Burschenprüfungen hatte ich wiederholt Gelegenheit, die Folgen dieser fälschen Art des Unterrichtes zu beobachten. Es. kam zum Beispiel vor, daß ein Bundesbruder über alle Theorien über den Antisemitismus genau Bescheid wußte, er wußte genau von Pinskers Begründung des Antisemitismus durch die Judäophobie, er kannte Blumen^- felds bekannte Theorie, er kannte die assimilatorische Anschauung, nach welcher der Antisemitismus auf religiösem Haß, den Neid und Schlechtig-

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