Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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227 2. An Orten, wo hebräische Spraehschulen vorhanden sind, sind diese zu besuchen und Privatkurse nur in Notfällen, z. B. bei Überfullung der Schule in den. Verbindungen einzurichten. , 3. An Orten, wo keine Schule vorhanden, ist durch einen Bundesbruder. Unterricht zu erteilen, und dort, wo kein hierzu befähigter Bundesbruder vorhanden, ist am besten ein hebräischer Lehrer anzustellen, sa wie es für dieses Semester die Kadimah Bonn getan hat. Reichen die Mittel der - Verbindung nicht aus, so setzt sie sich mit anderen Jugendorganisationen des. Ortes zwecks genieinsamer Anstellung eines hebräischen Lehrers in Verbindung. 4. Ist beim besten Willen kein hebräischer Lehrer zu beschaffen, so muß die autodidaktische Arbeit einsetzen. Diese Art der Arbeit ist zwar nicht erfreulieh, muß aber als Notbehelf durchgeführt werden. Ein Bündesbruder übernimmt die Leitung dieser Kurse, er arbeitet für jede" Stunde einen Abschnitt vor, um ihn den anderen zu erklären. Ist den Bundesbrüdern eine Stelle im Lehrbuch oder eine grammatische Regel nicht verständlich, so wenden sie sich an die nächste Verbindung oder an das Erziehungsressort wegen einer Erklärung. Jede Woche finden mindestens 4 Stunden gemeinsamen Unterrichts statt. Ich stehe auf dem Standpunkt, jdaß es kein Hindernis für die hebräische Arbeit gibt. Im Felde haben' viele Bundesbrüder unter den größten Schwierigkeiten Hebräisch gelernt. 'Heute dürfen solche geringfügigen Ursachen, wie Mangel an geeigneten Lehrkräften, zu starke Inanspruchnahme durch andere Arbeit und andere Gründe mehr, die sich immer finden lassen werden, kein Hindernis für die hebräische Arbeit bieten. Tendenzunterricht. Der Tendenzunterricht ist bisher in folgenden 3 Formen gegeben worden: 1. In der systematischen Form, wobei man vom Begriff des Nationalismus und seiner Antithese, dem Kosmopolitismus ausgehend, die zionistische Theorie entwickelte. 2. In der historischen ' Form, wobei die Geschichte des Zionismus dargestellt und auf die Vertreter der verschiedenen Ansichten hintereinander hingewiesen wurde. 3. In der Form der Besprechung eines einzigen zionistischen Werkes, in dem die wichtigsten Probleme berührt werden. Verwandt wurde hierzu Achad Haam: Gesammelte Aufsätze, Moses Heß: Rom und Jerusalem. Letzteres Werk hat sich besonders für Anfänger, bei denen wenig vorausgesetzt wird, als geeignet erwiesen. Welche dieser Unterrichtsformen ist nun am besten zu verwenden? Bevor wir diese Frage . beantworten, müssen wir uns erst einmal klar sein, welches denn der Zweck des Tendenzunterrichtes sei. Der Zwecfe dieses Unterrichtes sollte jedem älteren K. J. V. er bekannt sein. Wenn ich jedoch sehe, was für Kurse oft gegeben werden oder das Resultat einer Prüfung übersehe, so kommen mir oft Zweifel darüber, ob man sich im Kartell über den Zweck dieses Unterrichtes im klaren ist. Der Bündesbruder soll letzten Endes durch diesen Unterricht dazu erzogen werden, mit Kritik und vollem Verständnis im zionistischen Leben zu wirken, vor allem soll er verstehen, seinen zionistischen Standpunkt zu begründen /Und (Gregnern seiner Überzeugung Rede und Antwort stehen können. Er soll erkennen, was dem judischen Volke zurzeit am meisten nottut und auf Grund seiner Erkenntnis UAd kraft seines moralischen Verantwortungsgefühles soll er imstande sein zu entscheiden, ob der Lebensweg, den er sich vorzeichnet, den Anforderungen seines Volkes genügt, oder ob er einen anderen Weg i einzuschlagen habe. Einen Menschen, der aus derr Assimilation kommt, möglichst * schnell zu diesem entschiedenen und folgenschweren Verantwortungsgefühl zu erziehen, ist äußerst schwierig: