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Der jüdische Student · 1920-10-01 · Heft 5 (Oktober 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 5 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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224 Die Chargiertentagung mich aueh dazu äußern und möglicherweise eine vorläufige Subskription im Kartell veranlassen. Einen Neudruck können wir nur anregen, wenn wir die Garantie haben, daß das Werk auch von den meisten Bundesbrüdern angeschafft wird. Ich hatte versucht, den Geschichtsunterricht im Kartell auf die Art zu regeln, daß den einzelnen Verbindungen durch Überweisung die geeigneten Lehrkräfte zukommen sollten. Dieser Plan mißlang jedoch durch das Versagen der Überweisungen und den Mangel an Lehrkräften. Das Erziehungsressort wird also in Zukunft die Aufgabe haben, dafür zu sorgen, daß die Verbindungen, unabhängig von .den zufällig vorhandenen Lehrkräften, imstande sind, den Bundesbrüdern das geeignete Material zum Lernen zu* verschaffen. Das Ressort wird die Aufgabe haben, die besten Werke auszuwählen und sie den Verbindungen unter möglichst günstigen Bedingungen zu verschaffen. Bei dieser Arbeit muß ich ganz besonders auf die Mitarbeit der Chargierten und der Vertrauensleute rechnen, da. es oft mit größter Verantwortung verbünden sein wird, ein Werk dem Kartell zu empfehlen, oder gar als allgemeines Unterrichtsbueh einzuführen. Für die Erteilung des Geschichtsunterrichtes möchte ich noch einige Anregungen geben. Über die Auffassung der neuesten Geschichte von der Emanzipation an sind sie uns wohl im ganzen einig. Ich glaube jedoch, daß wir bei der Beschäftigung mit dieser Geschichtsperiode allzusehr den Fehler der Einseitigkeit begehen. Wir betrachten die Ereignisse allzusehr von unserm westlichen Standort; wir verfolgen die Entwicklung, die nach der Emanzipation erfolgte, wir hören von dem katastrophalen Zerstörungsprozesse durch das Eindringen fremder Kultur, wir beschäftigen uns mit allen den Gegenaktionen gegen die Zersetzung, die alle daran scheitern, weil sie den nationalen Bestandteil des Judentums negieren, und kommen dann zur nationalen Bewegung, die uns aus dieser Wirrnis herausführt. Allzusehr verschließen wir uns dabei vor den Ereignissen, die indeß im Osten vor sich gehen. Wir ahnen kaum, daß unsere Bewegung niemals das ganze Volk hätte ergreifen können, wenn nicht im Osten die Keime schon längst ausgelegt worden wären, noch lange bevor im Westen einzelne Männer, durch ihre Not getrieben, zur Nation zurückkehrten. Wir ahnen kaum, daß z. B. nie die hebräische Bewegung im jüdischen Volke sich hätte ausbreiten können, wenn nicht schon längst vorher jüdische Männer im Osten in hebräischer Sprache geschrieben hätten. Durch die Kenntnis der neuesten Geschichte wollen wir die heutige kulturelle und politische Lage des Volkes auf Grund seiner letzten Entwicklung verstehen lernen, um in ihm mit Verständnis wirken zu können. Das jüdische Volk lebt aber in seiner großen Masse im Osten; daraus folgt für uns die Aufgabe, der neuesten Geschichte der Juden im Osten unsere größte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Es ist jedoch wiederholt von Bundesbrüdern geäußert worden, daß wir über die Geschichte des späten Altertums von 70 an und des Mittelalters noch keine einheitliche Auffassung hätten, daß wir noch nicht imstande seien, die mannigfachen Erscheinungen während dieser Zeit auf eine einzige im Volke lebendige Kraft zurückzuführen, und daß daher das Mittelalter für uns nur aus einer Reihe von zusammenhanglosen historischen Einzelerscheinungen bestehe, zwischen denen wir beim besten Willen keine Verbindung finden können. Ich glaube, daß wir versuchen, sollten, diese ganze Zeitperiode als einen einzigen großen heroischen Kampf des Volkes um seine Existenz aufzufassen, der sich freilich nicht in blutigen Kriegen äußert, sondern in dem zähen Festhalten des Volkes an seinen eigenen Gesetzen, und dem Kampfe gegen alle Mächte von innen und außen, welche das Volk tatsächlich oder scheinbar daran hindern könnten. Dieser Wille des Volkes, dessen größte Kraft in seiner Religion lag, äußert sich in fast allen Erscheinungen jener Zeit. Die ein-, zelnen großen Männer sind nicht als zufällige Einzelerscheinungen auf- , zufassen, sondern in ihnen offenbart sich dieser Wille, gestärkt von einem großen, religiösen Vertrauen am deutlichsten. So werden wir die mannigfachsten Erscheinungen: die Gründung der verschiedenen Lehr-

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