Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Unterricht andererseits geltend gemacht. Man liebt es heute vielfach im Kartell, diese beiden Komponenten, welche doch zusammen in einer Richtung sich vereinigen sollen, als zwei Gegenkräfte gegeneinander auszuspielen. Das K. J. V... soll eine Erziehungsgemeinschaft sein, ist aber heute eine Unterrichtsanstalt, ein Ersatz für eine jüdische Schule geworden, so hört man sehr oft reden. Wie ist es möglich, daß Unterrieht und Erziehung so scharf gegenübergestellt werden, und daß die Erziehungsgemeinschaft der minderwertigen Lerngemeinschaft entgegengesetzt wird? Ich sehe den Grund -darin, daß wir bisher zu sehr diese beiden Gebiete von einander getrennt behandelt haben. Wir haben wohl festgestellt, was wir lernen müssen und wozu wir* uns erziehen müßten, sind uns aber der erzieherischen Kräfte des Unterrichtes, der Wirkung des Unterrichtes als Erziehungsmittel zu wenig bewußt geworden. Es ist etwas Wahres an jener sokrarischen Weisheit, daß die Tugend durch Wissen entstehe, und so wollen wir heute zu erkennen suchen, daß große erzieherische Kräfte in den verschiedenen Gebieten des Unterrichtes verborgen liegen, daß sie alle auf ein bestimmtes Erziehungsideal hinwirken, und daß Erziehung und Unterricht sich nicht ausschließen, sondern eine Einheit bilden. Ich hoffe, daß dadurch der unhaltbare und für das Kartell zerstörend wirkende. Gegensatz, der zwischen diesen beiden Gebieten geprägt worden ist, und jene Klagen darüber, daß die Erziehungsgemeinschaft zu einer Unterrichtsanstalt geworden ist, verstummen werden. Obwohl ich bei den einzelnen Gebieten verschiedene, ganz spezielle Einzelfragen werde zu besprechen haben, so werde ich doch immer wieder auf diesen Gedanken zurückkommen, und die Notwendigkeit und den erzieherischen Wert des betreffenden Unterrichtsgebietes darzulegen suchen. Besonders ausführlich wird dies bei der Besprechung des Tendenzunterrichtes und der Palästinakunde der Fall sein. Zunächst werde ich mich der Besprechung der mit dem Worte „Jüdische Kultur" bezeichneten Gebiete, Geschichte Hebräisch zuwenden; der im Kartell herrschende Geist und die Stellung des Kartells zu diesen Gebieten bleibt natürlich nicht ohne Einfluß auf denjenigen, der in unseren Kreis eintritt. Späterhin werde ich mich der Besprechung der Gebiete zuwenden, deren Unterricht eine ganz besondere erzieherische Kraft zukommt. Der Geschichtsunterricht. Der Geschichtsunterricht ist nach wie vor nur dort im Kartell erteilt worden, wo ein dazu geeigneter Bundesbruder vorhanden war, anderenfalls sind die Bundesbrüder zum Lesen von guten Geschichtsbüchern angehalten worden, und in Abständen von 2 —3 Wochen wurden Wiederhölungsstunden angesetzt. Die besten hierfür in Betracht kommenden Bücher sind von Erich Buchholz in seinem Referat auf dem letzten Chargiertentage erwähnt worden. Inzwischen ist das Werk von Dubn o w über die neue jüdische Geschichte herausgegeben worden, zum ersten Male in diesen Tagen ein jüdisches Geschichtswerk, das von nationalen Gesichtspunkten aus geschrieben ist. Ich will mich auf eine Kritik des Werkes hier nicht einlassen. Erwähnen möchte ich jedoch bei dieser Gelegenheit, daß der Jüdische Verlag bei Bestellung einer genügend großen Anzahl bereit ist, uns eine Ermäßigung zu gewähren. Ich bitte daher die Chargierten, mir möglichst bald in diesen. Tagen mitzuteilen, wieviel Exemplare des .Werkes jede Verbindung benötigt. Die geschichtsphilosopriische Übersicht von Dubnow über die Epochen der jüdischen Geschichte ist von Erich Buchholz in seinem Referate erwähnt worden. Erich Fromm hat dieses Buch als besonders geeignet empfohlen, um den Bundesbrüdern< einen Überblick über die gesamte jüdische Geschichte zu geben. Das Buch ist zurzeit vergriffen und Erich Fromm hat daher angeregt, daß wir einen Neudruck veranlassen sollen. Ich habe bisher das Büch mir noch nicht verschaffen und lesen können und bitte daher diejenigen Bundesbrüder, welche es gelesen haben, mir ihre Ansicht darüber zu äußern^ Sobald ich es auch gelesen habe, willich