Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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222 glühenden Wunsch, früher, oder später nach Palästina zu gelangen. Sicher werden wir dieses Ziel nur bei den Besten erreichen, aber unsere Forderungen müssen immer Höchstforderungen sein und auch das alte K. J. V. hat sein Ziel nur bei seinen Besten erreicht. Weiter können wir, wenn, wir uns als Avantgarde des Zionismus fühlen, bei der wichtigsten Aufgabe, beim Aufbau Palästinas, nicht sagen,' daß es auf uns nicht ankommt. Ich glaube im Gegenteil, daß wir da ganz große Aufgaben haben, in Fragen der Erziehung, der Methodologie, der Organisation, Verwaltung usw. Aber selbst, wenn unser Pfennig noch so wenig wert wäre, müßten wir ihn doch zahlen, genau so wie beim Kereri hajessod. Aber wenn ich Lelewer in seiner negativen Einstellung auf Palästina nicht folgen kann, so stimme ich ihm bei in seiner positiven Einstellung zur Galutharbeit, seiner Forderung nach Schaffung, einer starken Diaspora- Wir haben hier viele Aufgaben von größter Tragweite und Bedeutung zu erfüllen. Aber auch da kommt es auf eine Gründeinstellung an. Wir sind eine politische Gemeinschaft. Wenn wir Träger der Erneuerungsbewegung des jüdischen Volkes sein wollen, dann müssen wir die inneren Kräfte dieses Volkes kennen, dann müssen wir alles tun, um sie zur Ent-. Wicklung und Entfaltung zu bringen. Wir müssen uns verantwortlich fühlen für alles, was im jüdischen Volke vorgeht. Zionismus ist nicht Erlösung des eigenen Ich, sondern des Volkes. Nur im Ringen für diese? Volk und seine Sache können wir uns selbst erlösen. Nur im Ringen für die Gemeinschaft entsteht Persönlichkeit. Aus dieser Einstellung heraus erwachsen uns nun die großen Aufgaben der Diaspora. Gemeinde- und Ortsgruppenarbeit, soziale Arbeit, Propaganda und Kampf gegen die Assimilation, wozu eine gründliche ideologische Ausbildung gehört. Vor allem aber, was auf unserer Tagung zu wenig betont wurde, müssen wir in ganz anderem Maße als bisher, —, denn bis heute waren es doch nur. schwache Anfänge, — beginnen, Blumenfelds Forderung nach der Wesenhaftmachüng des Zionismus wahr zu machen, und uns aufs intensivste mit jüdischer Geschichte und Kultur zu beschäftigen. Geradehin der Erziehung von Menschen mit großem jüdischen Wissen sehe ich große Aufgaben des K. J. V. im deutschen Judentum. Wenn wir die Erkenntnis der Notwendigkeit der Schaffung .einer starken Diaspora mit radikaler Palästinastimmung verbinden, werden wir auch weite Kreise der radikalen Jugendbewegung gewinnen, deren revolutionären Schwung unser Kartell nötig hat, die aber andererseits ganz besonders der politischen Erziehung bedarf; diese kann sie nur im Rahmen der großen politischen Gemeinschaft — und die ist in Deutschland das K. J. V. — erhalten. Referat über Erziehungsarbeit : Von Leo Ölitzki, Berlin Über die Gestaltung unserer Unterrichts- und Erziehungsarbeit hat uns auf dem letzten Chargiertentage Erich Buchhölz in den wesentlichsten Punkten , Klarheit verschafft und uns die Richtung auch für die künftige Arbeit gewiesen. Die Arbeit, die seitdem nach den von ihm damals gegebenen Richtlinien einsetzte', hat in vielen Verbindungen gute Resultate gezeitigt und wird auch in Zukunft ohne wesentliche Abänderungen fortgesetzt werden. Infolge des großen zu bearbeitenden Stoffes und auch noch. aus anderen Gründen, Jiat sich leider im Laufe der letzten Zeit ein gewisser Gegensatz zwischen Erziehung einerseits und