Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Die Chargiertentagung Bbr. Arthur Stein zeigt in seinem darauffolgendem Referate*) die letzte Entwicklung des K. J.V. Durch das Vorhandensein der ver^: schiedenen Richtungen sei eine einheitliche Leitung unmöglich gewesen. Jetzt sei die „Rechte" und die „Linke" verschwunden, die „Mitte" allein -sei geblieben, und für sie heiße es jetzt, sich zu entscheiden, Das Ziel des Kartells müsse die menschliche Erziehung seiner Mi t - glieder zu starkem* Ver antwortlich keitsgfühl sein, aus weichem alles andere, gewissenhafte Arbeit im Galuth, gewissenhafte Vorbereitung für Palästina folgen werde. Das hierauf von mir gehaltene Referat über Erziehungsarbeit befindet sich in diesem Hefte abgedruckt. Die am Nachmittage desselben Tages einsetzende Diskussion wurde von Bbr. Löwenstein eröffnet. Er sieht die augenblickliche Hauptaufgabe des Kartells in der Erziehung zur Beruf s u m s c h i c h - Jung für Palästina und in der hebräischen Arbeit Das Kartell stehe in einer Krise, da diese Forderungen in seiner Mitte nicht erfüllt worden seien. Der Kampf gegen die Assimilation könne wohl die Hauptaufgabe der Altherrenschaft sein, nie aber die Hauptaufgabe des gesamten Kartells, insbesondere der Jugend, für welche die Palästina- Vorbereitung erste Pflicht sein müsse. . / In der weiteren Debatte kamen unter anderem verschiedene Mißstände im Kartell *zm Sprache, die einzelne Bundesbrüder zu recht deprimierenden Ausführungen veranlaßten. Dennoch führte die Debatte über die mannigfachen Ziele des K. J. V. zu einer einhelligen Anschauung, die Bundesbruder* G o i t e i n kurz dahin definierte, daß das K. J. V. wohl mit anderen Jugendorganisationen als Ziel die. zionistische Vorbereitung für Palästina, Bekämpfung der Assimilation u. a. gemeinsam Habe, daß seine s p e z i e 11 e Aufgäbe aber die .Erziehung zu politischer Arbeitsfähigkeit und staatsbürgerlicher Disziplin sei. In seinem Schlußwort erinnerte Lelewer nochmals eindringlich an die unbedingte Pflicht zur Bekämpfung jeglicher Assimilation. An dem folgenden Tage referierte Feilchenfeld über die Arbeit an den Universitäten. In den prinzipiellen Fragen herrschte unter ^er Mehrzahl der Bundesbrüder die übereinstimmende Ansicht, daß wir nur jüdische Politik zu1 treiben hätten und uns nicht von anderen Gruppen, z.B. von sozialistischen, in unserer Stellungnahme zu innerdeutschen Angelegenheiten binden lassen dürften, ferner, daß die Universität ein fein wissenschaftliches Institut für uns bedeute, innerhalb dessen für nationale Kämpfe kein Platz sei. Paul Hirsch wies besonders darauf hin, daß die Bundesbrüder, zu einem Reagieren auf antisemitische Beleidigungen erzogen werden müßten. Es herrschte die übereinstimmende Ansicht, daß ein %eder Bundesbruder im Falle eines Konfliktes infolge derartiger Vorkommnisse mit der Universitäts- oder Gerichtsbehörde von den Verbindungen zu schützen sei. "Nachmittags sprach B i 1 e s k i über den Keren hajessöd und die Dienstpflicht Er führte aus, daß das Prinzip der Dienstpflicht auch in Zukunft aufrecht erhalten bleibe, daß jedoch zunächst voraussichtlich nur eine kurze Zeit, etwa 4 Wochen, für jeden Bundesbruder zur. Arbeit in Betracht kommen würde. Der Erstchargiertentag hat den Erfolg gehabt, daß er über (üV augenblicklichen Strömungen im Kartell vollkommene Klarheit brachte, er hat ferner den Zusammenhang zwischen dem Präsidium und einzelnen Verbindungen, der fast verloren schien, wieder hergestellt. Er hat »damit zur inneren Festigung des Kartells beigetragen. *) Dag,'Referat Steins wird in der;näcjisten Kummer des .J. St. veröffentlicht.