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Der jüdische Student · 1920-10-01 · Heft 5 (Oktober 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 5 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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V•'■ _ . 216 Hollenderski, Die Zukunft des Kartells K.J.V. ern genug sagt. Ich glaube^ über die Tatsache einer zunächst hoffnungslosen Lage des Kartells ist kein Wort weiter zu verlieren. . Woran liegt das? , Nicht am Kartell! Das ist festzuhalten./ Sondern am alternden Zionismus. Weshalb er Alterserscheinungen zeigt (richtiger Reifeerscheinungen), will ich nicht nähen erörtern. Es wirkt hier vieles zusammen. Nur ein Moment, das uns .leicht die Folgen entwickeln läßt, sei angeführt: Der Zionismus braucht heute nicht mehr um seine Existenzberechtigung zu kämpfen/ Er stellt jetzt / in der Welt der Wirklichkeiten ein stabiles Etwas dar, mit dem man im Machtkampf rechnen muß. Er ist da, eingereiht unter die Erscheinungen, die d^m Juden, ob Freund, Gegner oder Gleichgültiger, heutzutage selbstverständlich sind. Daraus folgt für die Träger der Idee: Während früher das Wort „Zionist (V. J. St. er)" seinen Bekenner aus der Menge herausstellte und ihn zwang, sich zum mindesten zu rechtfertigen, d.h. also während früher dieser Begriff „Zionist" in sich gleichzeitig das Merkmal einer gewissen Aktivität enthielt, ist es heute nicht mehr so. Das Bekenntnis ist leichter, hat aber deswegen weniger Bedeutung. Bekenntnis und Betätigung sind nicht mehr eins, trennen sich immer mehr. Das „moralische Existenzminimum" des Zionisten sinkt. Gleichzeitig aber steigen die Forderungen, weü es sich nicht wie früher meist um gelegentliehe Arbeitsleistung, um Gegenwartsarbeit bei himmelfernem Ziel handelt, sondern um dringende persönliche „Einstellung" zu endgültigen, moralischen und vor allen Dingen konkreten Fragen der eigenen Lebensgestaltung. Das „Maximum" ist tatsächlich ein höheres geworden; so schafft die Entwicklung einen immer größeren Abstand zwischen dem geringsten und dem höchsten zionistischen Typus. Nun die psychologischen Konsequenzen! Die Arbeitenden haben oft das quälende Gefühl, einen Teil ihrer Leistung an eine träge, bewegungslose Masse zu verschwenden. Berechtigt oder nicht; der eben abgeleitete Kontakt führt zu dieser Empfindung. Nun besitzen diese Besseren aber nicht die Möglichkeit, auszuwählen. Denn da sich ja Bekenntnis und Aktivität gesondert haben, stellt jenes einerseits kein genügendes Auswahlprinzip mehr dar, und andererseits läßt sich Aktivität nicht metrisch bestimmen, überhaupt nicht irgendwie festlegen; und .weil sie sich auch nicht kontrollieren läßt, wird man mißtrauisch; der Todesstoß für die Bundesbrüderlichkeit. Was jedoch viel schlimmer ist: mangels eines festen, objektiven Maßstabs läßt sich das Niveau des Ganzen nicht heben, es läßt sich nicht einmal halten, .-es. sinkt langsam aber stetig. Der „Betrieb" wird „gemacht" — treffende Ausdrücke — nicht aus Arbeitslust, nicht, weü» das zionistische Bedürfnis,dazu zwingt; nein, weil eben doch etwas „gemacht" werden muß im Semester.

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