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Der jüdische Student · 1920-10-01 · Heft 5 (Oktober 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 5 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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H oll enders ki, Die Zukunft des Kartells 2U Im Grunde —! Aber es ist nun mal so üblich und soll früher auch ganz gut gewesen sein. — Die Auffassung von zionistischer und Verbindungspflicht und -disziplin wird so oberflächlicher, verliert sieh allmählich. Aus der alten Zeit stammt die Bundesbrüderlichkeit. Ihr fehlt heute die Grundlage des noch so mäßigen Fachwillens und Gemeinsamkeitsgefühls. Dadurch kommt in das Verhältnis der Bundesbrüder untereinander etwas Unaufrichtiges hinein. Es gibt noch einige weniger wichtige Faktoren, unter denen das Kartell augenblicklich leidet. Von ihnen soll nur das eine erwähnt werden, daß nämlich die heutigen Höchstforderungen des Zionismus an den Einzelnen diesen oft aus der Universität herausführen und uns so wertvolle Energien entziehen. Dieser Vorgang läßt aber auch das Kartell als eine, sozusagen sekundäre zionistische Angelegenheit erscheinen, was natürlich falsch ist. Diese Empfindung ist aber nicht von Dauer und wird bald verschwinden. So ist die Lage. Wie kommen wir aus ihr heraus? Ein Vorschlag existiert ja schon, der merkwürdige Vorschlag von Bileski, uns zu Gunsten eines noch größeren, allgemeineren Chaos aufzulösen. Abgesehen von allen andern Gegenargumenten, wäre damit gar nichts getan, die Beantwortung der Frage lediglich verschoben. Die Frage kann aber auch gar nicht in unserm Rahmen beantwortet werden. Sie ist eine allgemein - zionistische, keine des Kartells, und keine Maßnahme, keine noch so „jüdische Form" wird es ändern. Was allein in unserer Macht steht, ist, eine derartige tendenziöse und organisatorische Gestaltung des K. J. V. vorzunehmen, daß eine etwaige Weiterentwicklung nicht gestört wird. Und das erreichen wir meiner Meinung nach schon zum großen Teil, indem wir klare, aufrichtige Verhältnisse schaffen. Wir müssen die ganze K. J. V.-Phraseologie aufgeben. Tatgemeinschaft, Lebensgemeinschaft, Jugendbewegung — alle diese schönen Begriffe müssen verschwinden. Das K. J. V. ist weiter nichts als die Organisation der zionistischen Akademiker. Als solche ist sie für die Durchführung einer elementaren zionistischen Ausbildung ihrer Mitglieder verantwortlich. Ein detaüliertes Schema als Beispiel: 1. Semester: Galuth-Kurs, Palästina-Kurs, Sport (oderTurnen). 2. Semester: Hebräisch I, Kurs über zionistische Fragen, evtl. Geschichts-Kurs, Sport. 7 3. Semester: Hebräisch II, Sport. 4. Semester: Ebenso und so weiter bis zum Examensemester. Diese drei Gebiete, jüdische Information, Hebräisch, Körperausbildung machen mit den Konventen und der Keilarbeit das Korporationsleben aus. Außerdem wird nichts offiziell angesetzt. Dagegen werden diese anscheinend herabgesetzten Anforderungen konsequent durchgeführt. Jedem Kurs folgt ein eingehendes Examen, so daß man die Gewähr dafür hat, daß jeder drittsemestrige K. J. V. er die Wissensgrundlagen für eine verständnisvolle Anteilnahme an allen jüdischen Fragen besitzt. Vom 3. Se-

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