Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Ro s e n b a u m, Stillstand und Fortschritt Ziel: die nationale Größe Deutschlands längst erreicht und faulte ideenlos dahin. Wir aber hatten unser Ziel, Aind die nationale Schwäche der Judenheit war die Stärkung unseres Zukunftswillens, Heute hat die deütsche Studentenschaft ihre Aufgabe,1, aber unser Zielstreben scheint schön, durch den kleinsten Anfangserfolg unseres Nationaistrebens seinen Zusammenbruch, sein Nichtwissenwozu gefunden zu haben. Wie ist die Stagnation entstanden? Als der Bruch in unseren Reihen Tatsache wurde, glaubten wir nun endlich durch natürliche Auslese vom Ballast befreit zu werden, mußten dann aber sehen, wie auch wertvollste Kräfte unsere Reihen verließen. Viele der Beschlußfähigsten, Kräftigsten hatte schon vorher der Krieg dahingerafft. Die Gedanken der Revolution hatten andere so mit sich fortgerissen, daß das Kartell und der Zionismus nur noch als Objekt ihrer sozialistischen Ideen für sie einen Sinn zu haben schien. Haben wir doch sogar an der Haltung unserer Rundschau sehen müssen, wie selbst klarste, Köpfe historische Lehren, die von uns in jeder Fuxenstunde \ gepredigte Zurückhaltung von intern deutschen Dingen und Konzehtrierung aller Kräfte auf unsere eigenste, notleidende Sache vergessen hatten. Was wir an Revolutionsfimmel in diesen beiden Jahren gesehen haben, war vielleicht das Allerbedauerlichste. Zeigte es doch, wie wenig noch das Primat der jüdischen Idee in unseren Köpfen und Herzen verankert war. . Andrerseits zwang finanzielle Not, der Eintritt in das ErT werbsieben, vielen das Joch der Berufsarbeit allzu hart auf. Wirtschaftliche Verhältnisse machten manchen jungen Familienvätern ihre langgehegte Hoffnung, als erste hinüberzugehen, zu nichte. Die Verzweiflung darüber strahlte über in das zionistische Leben Deutschlands, für das das Leben im Kartell mehr noch wie jemals ein Spiegelbild war, je weniger es nämlich eine eigene Note zeigte. Die Verbindungen, selbst einzelne Kreise in den Verbindungen und im Kartell fielen immer mehr auseinander, verstanden sich immer weniger. Die Finanznot des Kartells behinderte Gedankenaustausch und Nachrichtendienst. Schließlich trat die alte Unklarheit über unser Ziel aufs neue hervor: Sind wir lediglich Werbetruppe des Zionismus in der Akademikerschaft oder sind wir Vorkampftruppe, opferbereiter Arbeitsadel der neu erstehenden Nation? Sollen wir Masserikeilerfolge erstreben oder uns selbst so läutern und erziehen, unser'' Kartell so reinigen und ausbauen, dfoß von selbst zu uns als werbendem Beispiel die Besten kommen? . Das Ziel gilt es zunächst einmal zu klären. Noch kann unser Kartellrahmen beiden Auffassungen gemäß ausgebaut werden. Aber es wäre gut, wenn endlich einmai diese Frage nach Qualität oder Quantität entschieden würdet Was übrigens die'" Einführung der Dienstpflicht sein würde. & \