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Der jüdische Student · 1920-10-01 · Heft 5 (Oktober 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 5 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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212 Strauß, Revisionismus Palästinaemigration doch fest vertraute. — Diese an sich schon schmale Grundlage unserer Kardinalforderung ist heute noch weiter verengt angesichts der politischen Lage. Die Lösung ist heute (abgesehen vom natürlich und unbestritten notwendigen Landwirt und Handwerker) der Lehrerberuf. Wie lange? und man wird von ihm ähnlich wie von der Nationalökonomie abraten. (Man verzeihe den Skeptizismus!) So ist denn vor allem eine entschiedene Verbreiterung der Grundlagen unserer Forderung notwendig. Und sie liegt nicht so ganz fern. Haben wir doch (und in diesem starken Maße mehr als gerechtfertigt) bei der alten und leidigen Antithese die Einstellung auf das Land gewählt, obwohl uns, einem nationaljüdischen Kartell, die auf das Volk viel näher liegen sollte, wenn schon einmal beider Bedürfnisse nicht ganz unter einen Hut zu bringen sind. — Um bei der engeren Einstellung die nötige Stoßkraft zu erreichen, haben wir sogar unseren (wie jeder Vereinigung, um das ekelhaft gewordene Wort Gemeinschaft zu vermeiden) schlimmsten Feind, den Egoismus beschworen. Ich erinnere an die Theorien, wir gingen nach Palästina, um uns selbst zu erfüllen. Da hat dann schließlich der Bunddsbruder recht, dem das Ergehen unseres Kreises gleichgültig wird, weü er alle seine Zeit und Energie zur Palästinavorbereitung gebraucht (oder'zu gebrauchen vorgibt). Ich bin nun so ketzerisch, zu glauben, daß das K. J. V. als solches noch keine Daseinsberechtigung und Belebung gewinnt, wenn selbst einige hundert Bundesbrüder hinübergehen. Dazu wird die Kluft in unseren Reihen zu groß. Was folgt aus alledem? — Bei 50 Prozent Medizinern und 20 Prozent Nationalökonomen (die Zahlen sind ganz wülkürliche Schätzung, sie sollen nur zur Verdeutlichung dienen) wird die Einstellung auf das Land grotesk. Die auf die Bedürfnisse des Volkes — und dabei zu einem gewissen Teil des Landes — bleibt allein möglich. Im Wiederaufbau werk im Osten, in der Bewältigung der deutschen Durchwanderungsprobleme zeigt sich z. B. die gewünschte breite Grundlage zu Forderungen. Ein Mißverständnis sei gleich aufgeklärt: Die hier vertretene Anschauung ist nicht die bekannte Galuththeorie des Zionismus, die neben dem speziell zionistischen Aufgabenkreis in der im Galuth zu leistenden Arbeit eine Sache sieht, die wohl oder übel auch gemacht werden muß, sie behauptet vielmehr, daß dieser erweiterte Pflichtenkomplex das notwendige Korrelat der speziellen zionistischen Aufgabe ist. Eine Anschauung, welche die Unmöglichkeit Palästinas als Hilfsaktion mit Rücksicht auf die größere dort zu leistende Aufgabe des geistigen Zentrums begrüßt, legt doch andererseits die Verpflichtung auf, anderswo jene primäre Aufgabe 4er Hilfe zu verwirklichen.

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