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Der jüdische Student · 1920-10-01 · Heft 5 (Oktober 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 5 (Oktober 1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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210 Zur Kartellage Selbst die Frage der Aussichten unserer landwirtschaftlichen Betätigung erscheint mit Rücksicht auf die mangelnde Erprobung unseres Menschenmaterials noch nicht als restlos geklärt,, wenn wir natürlich auch ohne Bedenken die Verantwortung dafür übernehmen müssen, daß geeignete Menschen landwirtschaftlichen Berufen sich zuwenden. Auf der anderen Seite jedoch besteht unter Berücksichtigung des Standes unserer Aufbauarbeiten keinerlei Grund dazu, die Wahl privatwirtschaftlicher Berufe zu verhindern. Unser Erziehungsprogramm muß zwar auf eine opferwillige Gesinnung eingestellt sein, die verlangten Opfer müssen jedoch auf den praktischen Erkenntnissen und Erfahrungen basieren. Radikalismus um seiner selbst willen ist eben so unberechtigt wie eine berufliche Beeinflussung zum Abenteuertum, und mit beiden wird die Bewegung mehr geschädigt als gefördert. Es darf uns daher nicht beunruhigen, wenn anderswo eine radikalere Stimmung zur Schau getragen wird. Unsere Arbeit muß vielmehr von einem wachen Verantwortungsgefühl für die zionistischen Gegenwartsaufgaben geleitet werden. Die praktische Folgerung aus dieser Erkenntnis ist die, daß das K. J. V. nicht die alleinige Jugendorganisation sein kann und keinen Anspruch darauf zu erheben hat,5, in seinem Aufbau für andere Gemeinschaften vorbildlich zu sein. Die Erziehungsformen und die Möglichkeiten der menschlichen Beeinflussung müssen sich vielmehr naturnotwendig überall nach der besonderen Artung des erfaßten Menschenmaterials richten. Uns fällt die Aufgabe zu, die ältere Jugend dem Zionismus zu gewinnen und sie zu einem zionistischen Verantwortungsgefühl zu erziehen, das sie befähigt, die ergriffenen Berufe im zionistischen Interesse nutzbar zu machen, sofern eine berufliche Umstellung nicht mehr möglich ist. Wenn es uns dabei nicht gelingt, die Mehrzahl unserer Menschen landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufen zuzuführen, so darf uns dies in der zuversichtlichen Beurteilung unseres eigenen Wertes nicht beirren. Der einzig brauchbare Maßstab für unsere Leistungen wird die Bewährung des von uns erzogenen Menschenmaterials in Palästina und im jüdisch-nationalen Leben überhaupt sein. Die vorstehenden Ausführungen erscheinen mir als die innere Voraussetzung für die in der vorigen Nummer von mir geforderte äußere Gestaltung unseres Bundes. Ich habe dabei die kulturellen Momente, die für den Ausbau unserer Erziehungsarbeit von größter Bedeutung sind, bewußt außer acht gelassen, da sie für die äußeren Formen unseres Zusammenlebens erst in zweiter Linie in Frage kommen. Die Neugestaltung des Kartells wird mit dem Fortschreiten der Palästina-Arbeit Hand in Hand gehen. Die Erkenntnis der Bedürfnisse des Landes, die sich erst allmählich einstellen wird, und die wachsende Verknüpfung mit dem Volks-

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