Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Kartellage 209 Dabei Ist nicht zu verkennen, daß die Auseinandersetzung mit der sozialistischen Idee vom Standpunkte des Zionismus aus, eine im wesentlichen den Akademikern zufallende Aufgabe ist, deren Lösung um so wünschenswerter erscheint, als die unter dem Einfluß der sozialistischen Idee stehende Jugend wegen ihrer seelischen Disposition ein ganz besonders gutes Material für die zionistische Propaganda darstellen dürfte. Es ist also nicht etwa zu verlangen, daß das Kartell sich gegen die die Umwelt bewegenden Ideen abschließt. Diese Gedankengänge dürfen jedoch auf die von uns zu leistende Erziehungsarbeit einen direkten Einfluß nur dann gewinnen, wenn sie mit unseren festumschriebenen Zielen vereinbar sind. Die Wahl eines dem augenblicklichen Stande der Aufbauarbeit entsprechenden Berufes kann im übrigen nur dann wirklich nützlich werden, wenn die vorhandenen Ausbildungsmöglichkeiten eine fachmännische Durchbildung sichern. Hierbei ist es gleichgültig, um welchen Beruf es sich handelt. Sowohl in der Landwirtschaft als auch in jedem privatwirtschaftlichen Berufe ist die fachmännische Ausbildung die Vorbedingung für eine nützliche Betätigung im Lande. Es muß mit dem immer wieder auftauchenden Vorurteü aufgeräumt werden, daß fachmännische Qualitäten mit der idealistischen Gesinnung im Widerspruch stehen, die wir für unseren Aufbau benötigen. Fruchtbringend kann für uns nur solches Menschenmaterial werden, bei dem sowohl die nötigen Fachkenntnisse als auch die erforderliche Gesinnung vorhanden sind, so daß die Nutzbarmachung der beruflichen Qualitäten in einem dem Allgemeininteresse entsprechenden Sinne sichergestellt wird. Es erscheint jedoch als notwendig, darauf hinzuweisen, daß auch Berufe privatwirtschaftlicher Natur die idealistische Gesinnung derjenigen Leute, von denen sie ausgeübt werden, in keiner Weise zu beeinflussen brauchen, wenngleich zugegeben werden muß, daß derartige in starkem Maße auf* den persönlichen Gelderwerb zugeschnittene Berufe den Idealismus in besonderem Maße verzehren. Dies darf jedoch nicht zu der Folgerung veranlassen, daß sie an sich abzulehnen sind, wir müssen vielmehr dafür Sorge tragen, daß die Träger dieser Berufe, soweit sie aus unserer Gemeinschaft hervorgehen, entsprechend beeinflußt und erzogen werden. Das Ergebnis der bisherigen Betrachtung über die Frage der beruflichen Beeinflussung läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Wirkungsmöglichkeiten des Kartells insbesondere von drei Fak-- toren abhängig sind: vom Alter unseres Nachwuchses» von seiner seelischen Disposition und von den praktischen Erkenntnissen über die Notwendigkeit der Aufbauarbeit. Gerade diese Erkenntnisse jedoch sind heute noch außerordentlich lückenhaft, und es erscheint als beinahe unmöglich, ein praktisches Erziehungsprogramm auf ihnen aufzubauen.