Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Kartellage 207 daß eine völlige Loslösung von dem eingeschlagenen Wege, wie sie der zionistischen Forderung, zu entsprechen schien, häufig nicht mehr möglich war. In diesen Fällen mußten sich die erzieherischen Aufgaben des K.J.V. darauf beschränken, den zionistischenWilleiv zu festigen und diejenigen menschlichen Qualitäten zu vermitteln, die eine zionistische Auswertung des gewählten Berufes ermöglichten. . Der Blau-Weiß hingegen, der es fast ausschließlich mit völlig •unbeeinflußtem und beruflich in keiner Beziehung festgelegtem Menschenmaterial zu tun hatte, konnte eine verhältnismäßig größere Zahl seiner Mitglieder zu landwirtschaftlichen und handwerklichen Berufen führen, die im Interesse des Palästina-Aufbaues als an erster Stelle notwendig erschienen. Diese Tatsache, die nicht in der verschiedenen zionistischen Qualität beider Organisationen, sondern lediglich in ihren natürlichen Voraussetzungen begründet liegt, führte vielfach zuder Anschauung, daß im Gegensatz zum Blau -Weiß im K. J. V. zionistische Opferbereitschaft fehle, und daß die praktischen Ergebnisse unserer Erziehungsarbeit mit den zionistischen Forderungen nicht in Einklang zu bringen seien. Diese scheinbare Erkenntnis hatte ein Gefühl der Mißstimmung und der Niedergeschlagenheit zur Folge, in dem vor allen Dingen der Grund für die augenblickliche Stagnation zu erblicken ist. Wenn es den Tatsachen entspricht, daß die Erziehungsmöglichkeiten des K.J/V. mit den Forderungen der zionistischen Gegenwart sich nicht in Einklang bringen lassen, so ist natürlich die Aufrechterhaltung unserer Organisation unberechtigt, und es kann niemandem zugemutet werden, daß er sich ihren Gesetzen unterwirft. Es erscheint notwendig, zunächst einmal festzustellen, was unter einem zionistischen Beruf zu verstehen ist, und nach welchem Gesichtspunkte eine Berufsberatung organisiert sein muß, die den Interessen des Palästina-Aufbaues entspricht. Dabei ist als feststehend zu betrachten, daß Landwirte vor allen Dingen und an hervorragender Stelle die Möglichkeit haben werden, sieh an der Kolonisation zu beteiligen. Die handwerkliehe Betätigung ist gleichfalls mit Rücksicht auf die besonderen Ausbildungsmöglichkeiten in dem geschulten deutschen Handwerk außerordentlich aussichtsreich, obwohl es viele ostjüdisehe Handwerker gibt, die für Palästina in Frage kommen. Der Lehrerberuf erscheint unter Berücksichtigung der zahlreichen Wirkungsmöglichkeiten in den Judenzentren des Ostens trotz des vielfach zu Tage tretenden Mißverhältnisses zwischen Beruf und Berufung als empfehlenswert. Der Beamtenberuf kommt höchstens wegen der in Deutschland möglichen besonders guten Schulung in Frage, viele Gründe sprechen jedoch dafür, daß deutsche Juden in Beamtenstellung für den palästinensischen Aufbau zunächst nicht in Betracht kommen werden. Im übrigen-besteht ^ein weites Feld für Privatwirtschaft r