Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Oktober 1920)
- Date
- 1920-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Zur Karfeilage Die. zionistische Entwicklung hat zu der Erkenntnis geführt, daß die Beeinflussung der Jugend bereits möglichst frühzeitig be-'w ginnen muß/ Die Erfassung des ganzen Menschen und seine völlige geisäge und seelische Umstellung ist am besten im frühen Jugendalter gewährleistet Dieser Erkenntnis gemäß mußte die Jugendarbeit auf Altersstufen ausgedehnt werden, die für das K.J. V. ~ noch nicht in Frage kommen. Man schritt zur Gründung von Schülervereinen, Sportvereinen und Wanderbünden, die der Er?- fassung und Erziehung der heranwachsenden Jugend dienen sollen. Für diese Arbeit sind K. J. V. er die gegebenen Führer, und ihrer Initiative ist der Aufschwung der Jugendorganisationen und insbesondere des Blau -Weiß vor allem zu danken. Aus den der Jugendbewegung eigentümlichen Gesetzen heraus mußte die Entwicklung dahin führen, daß die lebensfähigen und guten Jugendgemeinschaften ihre ursprüngliche Hörigkeit dem K.J.V. gegenüber verloren und sich zum Eigenleben entwickelten. Die neue Jugendbewegung schuf sich"eigene Gesetze und stellte den Gegebenheiten ihrer Gemeinschaft entsprechende. Erziehungsforderungen auf. . So kam es, daß die Glieder dieser neuen Jugendorganisationen keinen organischen Nachwuchs für das K.J.V. bildeten und ihm zum .größten Teil verloren gingen. Seine ursprüngliche Aufgabe,^ •die Vermittlung des zionistischen und des Gemeinschaftserlebnisses, konnte das Kartell an dieser Jugend nicht mehr erfüllen. So fehlten für sie die natürlichen Voraussetzungen, die sie zu fest verwurzelten Gliedern unserer Gemeinschaft hätten machen können. Der Anschluß an das K. J, V. war für sie mehr oder minder eine formelle, dem zionistischen Pflichtgefühl entsprechende Handlung, ihre gefühlsmäßigen Bedingungen aber lagen und blieben außerhalb unserer Gemeinschaft. Die Einordnung in die Formen unseres Bundes und die Unterwerfung unter seine Disziplin wurde demgemäß für sie schwer und vielfach unmöglich. So kam es, daß der Nachwuchs aus den Jugendorganisationen für das K.J.V. nicht nur keine. Festigung, sondern einen Hauptgrund des sich einstellenden Auflösungsprozesses bildete. Ein wesentlicher Teilx der den Jugendorganisationen zufallenden Erziehungsaufgaben liegt in der Einwirkung auf die Berufswahl und die' Berufsausbildung. Diese Beeinflussung muß naturgemäß den durch das Alter der Mitglieder gegebenen Voraussetzungenentsprechen. Es ergibt sich hieraus, daß die beruflichen Einwirkungsmöglichkeiien der Organisationen der jüngeren Jugend, und insbesondere des Blau-Weiß, andere sind als die des K.J.V. Die berufliche Beeinflussung, die vom K.J.V. ausgeübt wurde, mußte sich nach den natürlichen Vorbedingungen des K.J.V. gestalten. Der im Alter von 18-19 Jahren in das K.J.V. hineinkommende Nachwuchs war in seiner menschlichen und beruflichen Einstellung vielfach bereits derart festgelegt,