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Der jüdische Student · 1920-06-01 · Heft 3 (Juni 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 3 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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Bileski, Der akademische Rahmen, Nachwort 151 geistigen Ausbildung geführt hat, die für iede zionistische Erziehung notwendig ist. Indessen wäre bei diesem Punkt in der Tat einiges ausführlicher zu behandeln (z. B. die Frage, ob heute die K. J. V.-er für die geistige Entwicklung des Zionismus als schaffend Beteiligte oder als ein durch höhere Aufnahmefähigkeit bevorzugtes Publikum eine besondere Bedeutung beanspruchen dürfen; sodann die Frage, ob in der geistigen Arbeit des K. J. V. die Tendenz zur Darstellung und Erfassung des Problems nicht allmählich durch die Aufnahme bestimmter Begebenheiten des Hebräischen, der Kulturinhalte, der sozialen Lage ergänzt und ersetzt werden muß). Hierauf will ich jetzt nicht eingehen; die übrigen Gründe Trautmanns verdienen nach meiner Meinung keinen Platz in einer ernsthaften Erörterung des hier behandelten Gegenstandes. Daß K. J. V. nicht Kartell jüdischer Studenten, sondern Kartell jüdischer Verbindungen bedeutet und man die Bezeichnung Verbindung als einer bestimmten, eng geschlossenen Organisationsform auch für nicht rein akademische Organisationen rechtfertigen könnte, sei im Vorbeigehen erwähnt. Im übrigen scheinen mir Namensbeschwerden keine Argumente in dieser Angelegenheit zu sein. Warum wir nicht akademische Interessen genau so wie bisher wahrnehmen könnten, ist unklar (schon heute tun das viele Gruppen, die nicht akademisch organisiert sind, z. B. bestimmend im akademischen Sportsleben, überdies werden viele unserer Verbindungen „akademisch" bleiben und schließlich wäre es eine Kleinigkeit, entsprechende Organisationsformen — akademische Abteilung u. dgl. — zu finden). Daß die Standesunterschiede auch in der zionistischen Jugendbewegung ihre Bedeutung behalten werden, kann nur jemand glauben, der ihre Stärke und ihren Wert so überschätzt, wie T. es offenbar tut. Wir glauben allerdings daran, daß zionistische Gemeinsamkeit stark gemig ist, um die Beseitigung solcher Vorurteile möglich zu machen und zu verlangen. Wir wissen sogar, im Gegensatz zu Trautmanns Spekulation, der sich zu diesem Punkt seine Einleitung über das Verhältnis vom Leben zur Theorie durchlesen mag, aus der Praxis, daß seine Peripherie- und Reibeflächen-Theorie, gelinde gesagt, nicht stimmt und in keiner jungen Lind dabei von ernsthaft-zionistischem Geiste erfüllten Vereinigung eine Rolle spielen kann. Es wird zwischen Einzelnen und zwischen Gruppen nur Gefühle der Unterschiedenheit geben, die auf verschiedenen Graden zionistischer Intensität beruhen. Das K. J. V. soll sich die Berechtigung erwerben, die höchstintensiven Gruppen zu umfassen. Wenn das, wie es nötig ist, unser einziger Maßstab ist, werden wir einerseits Nichtakademiker nicht grundsätzlich ausschließen dürfen, andererseits vor jeder Ueberheblichkeit bewahrt bleiben. Zu dieser neigen heute manche Bundesbrüder, die glauben, eine Spezialmission des K. J. V., so wie es heute ist, liege in seinem Beruf und seiner Fähigkeit, andere Jugendorganisationen zu erziehen. Gerade weil wir eine erzieherische Wirkung des K. J. V. wollen, weil sie heute durch die akademische Exklusivität nicht möglich ist, sind wir ja zu unserer Forderung gekommen. Ich brauche wohl die aus praktischer Erfahrung gewonnenen Gründe meines Artikels nicht zll wiederholen. Durch die Praxis bereits widerlegt sind auch die Befürchtungen T's für die Werbearbeit. Die werbende Wirkung des Ruder-V. J. St. ist nicht im mindesten schwächer geworden, seitdem Ivria und Ruder-V. J. St. ihre Tätigkeit vereinigt haben. Und wenn wir schließlich mit Rücksicht auf den großen Augenblick um Ruhe ersucht werden, so dürfen wir wohl darauf hinweisen, daß das K. J. V. große Aufgaben nur erfüllen wird, wenn es den Mut und die Kraft zu der Entwicklung findet, die durch die Bedeutung der Zeit geboten ist.

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