Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Bileski, Der akademische Rahmen, Nachwort Sache der anderen ist es, von ihm erzogen zu werden.*) Das K. J. V. ist infolgedessen nichts anderes als eine Spezialorganisation, genau so wie z. B. der Barkochba als Turn- und Sport-Verein. Zu dieser Spezialaufgabe ist das K. J. V. aber nur befähigt auf Grund seiner geistigen Bildung und nur insofern spielt der akademische Rahmen eine gewichtige und unumgängliche Rolle. Aber er ist nicht mehr wie früher Zweckbegriff, sondern er ist ein ursächlicher Begriff und notwendige Voraussetzung. In diesem Bedeutungswandel liegt ja auch die Entwicklung des Kartells in den letzten Jahren. Die akademische Schulung ist gerade heute eine conditio sine qua non, und die akademische Umrahmung ist nicht mehr ein Produkt der Statuten, sondern sie liegt in der Natur der Sache und kann infolgedessen nicht statutenmäßig geändert werden. Welche Wirkung die Durchführung des Bileskischen Projekts auf die Keilarbeit ausüben würde, welche Stellung ferner der B. Z. K. dazu nehmen würde, darauf möchte ich nicht näher eingehen, weil die Prognose so offensichtlich ist, daß meines Erachtens ohne weiteren Hinweis in jeder Verbindung zur Genüge darüber diskutiert wird. Ein innigeres Zusammenarbeiten mit den anderen Vereinen wird sittlich von jedem als ein erstrebenswertes Ziel erkannt, aber der Weg, den Bileski angibt, ist falsch und wir schließen lieber einen klugen Kompromiß, als daß wir uns einem blinden Drang überlassen. Das K. J. V. hat sich eben erst von dem Schrecken des Ringproblems und seinen Folgen erholt, soll es nun wieder außer Rand und Band gebracht werden durch einen neuen Zankapfel, der geeignet ist, seine kaum beruhigten Wogen von Grund auf wieder aufzuwühlen und zu trüben! Die Ausführung des Bileskischen Antrags bedeutet eine prinzipielle Reform, die, selbst wenn sie gelänge, den ganzen Organismus in seinem Innern revolutionsartig erschüttern würde, und all das gerade in diesem ungünstigen Augenblick, wo wir uns doch alle bewußt sind, daß die nächste Zukunft derartig große Aufgaben und Anforderungen an uns stellen wird, daß mehr denn je zuvor eine unerschütterliche Stabilität und innere Geschlossenheit für das K. J. V. erforderlich sein wird. Obwohl ich nicht bezweifle, daß die große Mehrheit der Verbindungen die Gefahren erkennt und den Antrag Bileskis entschieden ablehnen wird, so kann doch nicht dringend genug vor ihm gewarnt werden. b) Fachwort von Moritz Bileski Wenn ich mich sogleich zu dem vorstehenden Aufsatz äußere, so geschieht es nur, um durch einige kurze Sätze die Gründe Trautmanns aus der Diskussion auszuschalten, von denen ich eine Verschiebung der Erörterung in das Gebiet kritikloser Phraseologie befürchte. Der Erwägung wert ist nur eins der vorgebrachten Argumente, die behauptete geistige Differenzierung zwichen K. J. V.-ern und Nicht-K. J. V.-ern. Ich halte diesen Einwand keineswegs für entscheidend, insbesondere da auch die geistige Ueberlegenheit der K. J. V.-er, wie wir mit bunbesbrüderlicher Offenheit gestehen müssen, in sehr vielen Fällen eine schöne Redensart oder ein frommer Wunsch ist (und ich sehe darin nicht einmal ein Unglück); sodann weil in der zionistischen Erziehung, wie bereits im letzten Heft des J. St. ausgeführt ist, die Beschäftigung mit den theoretischen Aufgaben viel vom Charakter der Diskussion, d. h. der Neigung und Fähigkeit, Probleme zu klären, verloren und zu einer bestimmten *) Die „anderen" bedanken sich nur häufig für die ihnen von Trautmann großmütig eingeräumte Stellung (z. B. der „Blau-Weiß), und meist nicht mit Unrecht. B. C.