Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Trautmann, Der akademische Rahmen, Eine Entgegnung 149 Behörden als Studentenorganisation aufzutreten und in akademischen Angelegenheiten unsere Interessen als Studentenverbindungen geltend zu machen. Wir sind dann nur noch eine zionistische Jugendorganisation, die die Eigenschaft besitzt, großenteils aus Akademikern zu bestehen. Wenn wir ganze nichtakademische Vereine in unseren Rahmen aufnehmen würden, dann müßten wir auch jene Mitglieder dieser Vereine in uns aufnehmen, welche nicht soviel geistige Schulung besitzen, um den wissenschaftlichen Anforderungen eines K. J. V.-ers gerecht zu werden. Wir müßten auch diejenigen aufnehmen, welche nicht imstande wären, z. B. Hebräisch mit uns zusammen zu lernen, weil ihnen die Methoden der Sprachenerlernung nicht geläufig sind, oder die nicht in der Lage wären, eine jüdische Reifeprüfung (Burschenexamen) abzulegen, da ihnen die geistige Entwicklung fehlt. Wir müßten infolge dessen unser ganzes Erziehungsprogramm ändern oder wir müßten eine Unterscheidung machen zwischen geistig Geschulteren und nicht Geschulten, d. h. zwischen Akademikern und Nichtakademikern, Sollte infolgedessen der Unterricht keine Neuerung erfahren, dann müßten wir einen getrennten Unterricht einführen, wodurch nicht nur der status quo ante, den wir ja gerade beseitigen wollten, fast nahezu wiederhergestellt wäre, sondern auch eine ungeheure Mehrbelastung des K. J. V. verursacht würde. Es ist zwar kein Zweifel, daß die Aufgenommenen eine weitgehende geistige und erzieherische Befruchtung vonseiten der akademischen K. J. V.-er erfahren würden, aber sie würden es niemals auf das Niveau bringen, auf dem bisher das K. J.V. gestanden hat,*) vorausgesetzt, daß man den Wert der gymnasialen Vorbildung ni ht gleich null setzt. Der Durchschnittswert des K. Jf. V. als Ganzes würde somit sinken proportional der Anzahl der nichtakademischen Neuaufnahmen. Und das wäre sicherlich kein Gewinn. Was den „Standesunterschied" anbelangt, so bin ich hierin gerade entgegengesetzter Ansicht als Bileski. Die vorhandenen Reibungen sind nicht etwa die Folge davon, daß sich akademische und nichtakademische Zionisten nicht genügend nahe kommen, sondern ich glaube, daß gerade durch die nähere Berührung die Differenzen noch viel stärker wirksam würden und daß dieses Uebel, das noch nie in der menschlichen Gesellschaft gefehlt hat, zu dauernden persönlichen Reibereien im Innern des K. J. V. führen würde, während es bisher nur an der Peripherie empfunden wurde. Ich möchte hier ganz entschieden betonen, daß es durchaus ein Irrtum ist, wenn man glaubt, daran sei nur das Verhalten der Akademiker schuld. Wer nur etwas psychologisch erfahren ist, der weiß,, daß dieses Klassengefühl, das immer da aufiritt, wo zwei verschiedene gesellschaftliche Medien sich berühren, zu seinem größten Teil nur auf Autosuggestion der sogenannten „niederen" Schicht beruht. Wenn ein Standesgenosse an mir vorbeigeht, ohne mich zu grüßen, dann nehme ich an, daß er mich übersehen hat, ist es aber ein gesellschaftlich „Höherer",, dann ist es immer „seine Einbildung, die mich nicht sehen wollte". Das ist ein psychologisches Gesetz, das sich auch durch die Sprengung desakademischen Rahmens nicht beseitigen läßt. Im Gegenteil. Durch diese Manipulation würden wir nur noch neue Reibflächen schaffen. Wir hätten dann nichtakademische Organisationen,, die im K.J.V. sind, und wir hätten auch noch solche, denen nicht die Ehre zu Teil wurde, ins K. J. V. aufgenommen zu werden. Das Klassengefühl, das wir vorher nur zwischen Akademikern und Nichtakademikern hatten,, hätten wir jetzt noch viel ausgeprägter zwischen bevorzugten Nichtakademikern und gewöhnlichen Nichtakademikern künstlich erzeugt. Das K. J. V. unterscheidet sich von den anderen zionistischen Organisationen durchaus nicht etwa durch Betonung seines akademischen Rahmens,, sondern der Unterschied liegt einzig und allem in seinen Aufgaben. Diese aber bestehen darin, daß es auf die anderen Vereine erziehend einwirkt, die