Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Trautmann, Der akademische Rahmen, Eine Entgegnung verbietet, es dahin kommen zu lassen, daß unsere, im Bewußtsein unserer Stärke unternommenen Schritte vom K. J. V. allmählich als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden möchten, stellen wir die weitere Initiative ein. Unsere Stellung zum B. Z K haben wir, in Anlehnung an früher aufgestellte Richtlinien, nochmals wie folgt^ präzisiert: Obwohl wir in der durch die Gründung des B. Z. K. erfolgten Spaltung der zionistischen Akademikerschaft Deutschlands eine Schädigung des Zionismus erblicken, der wir nicht untätig zusehen dürfen, proklamieren wir dennoch keine ausgesprochene Kampfstellung gegen den ß. Z. K. Wir sind nach wie vor zu einer Fusion bereit, sobald aus annehmbaren Vorschlägen von der Gegenseite der ernsthafte Wille zu einer Verständigung erkennbar wird. Bis dahin werden wir Zusammenarbeit in tinzelfällen bei sich etwa ergebenden zionistischen Anlässen nicht ablehnen. Insbesondere ist selbstverständlich mit den Angehörigen des neuen Kartells zionistische Außenarbe^ gemeinsam zu leisten, soweit der B. Z. K. oder seine Mitglieder sich überhaupt daran beteiligen werden. Streitfälle sind selbstverständlich nach Möglichkeit zu vermeiden, der Einsetzung eines ständigen Schiedsgerichtes für Ehrensachen können wir unter Umständen wohl zustimmen. Darüber hinaus lehnen wir jedoch alle Vorschläge der Gegenseite ab, die darauf hinauslaufen, Institutionen und Instanzen zu schaffen, die in Wirklichkeit den Zustand der Ringorganisation herbeiführen würden. Insbesondere ist es au-geschlossen, daß wir uns in der Werbearbeit auf Verständigungen oder «Abmachungen einlassen. Wir können nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dem neuen Kartell Leute zu überlassen, die brauchbare K. J. V.-er werden können. Es muß vielmehr nach wie vor unsere Aufgabe bleiben, alle für uns überhaupt in Betracht kommenden Kräfte mit aller Entschiedenheit an uns zu ziehen. Wir werden daher nach wie vor auf jeden Keilfuxen, den wir bekommen können und wollen, Anspruch machen. Das Präsidium des ICD J. V. Herrmann L e 1 e w e r. Bruno Kirsch n er Der akademische Rahmen"} a) Eine £s?igegn&mg Von Edgar Traut mann - Hamburg Wenn man aus den Erscheinungen des Lebens theoretische Folgerungen zieht und diese Theorien auf das praktische Leben in Anwendung bringt, um seine Entwicklung günstig zu beeinflussen, so kommt es oft vor, daß das Leben dadurch nicht gefördert, sondern vergewaltigt wird, — nämlich dann, wenn diese Folgerungen falsche sind. — Es ist dieser bewußte Eingriff in den Ablauf des Lebens zwar das Prinzip jeder Zivilisation, es ist aber auch zugleich die letzte Ursache aller Not und alles Untergangs. Wenn wir im K. J. V. den akademischen Rahmen sprengten, so bedeutet dies zwar eine Beschleunigung der Entwicklung, aber auch zugleich den Tod des K.J. V. Dann gibt es nämlich kein „Kartell jüdischer Studente n" mehr, da sich das Kartell nachher nicht mehr aus jüdischen Studentenverbindungen zusammensetzt, sondern auch aus andern Mitgliedern und Vereinen. Sein Name ist dann nicht mehr identisch mit seinem Begriff, und wir sind gezwungen, seinen Namen zu ändern, falls wir nicht uns selbst oder andere täuschen wollen. Wir haben dann nicht mehr das Recht, vor den akademischen *) Mit den folgenden Artikeln wird die Diskussion über Bileskis Aufsatz aus der vorigen Nummer des J St. eröffnet. B. C.