Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Verhandlungen mit dem B. Z. K. 147 gern er von solcher Einsicht auch Kenntnis nähme und zum Besten des K. J. V. und der gegenseitigen Beziehungen beider Kartelle eine Realisierung der Fusionswünsche erwarte. Die Schaffung organisatorischer Sicherheiten, die eine Störung des Eigenlebens der B. Z. K. - Korporationen durch irgend einen außerhalb ihres Kreises gelegenen Faktor unmöglich machen, sind für Steinitz Anfang und Ende seiner f usionspolitik. lieber die Form dieser organisatorischen Sicherheiten ließe sich, schreibt er weiter, reden, wofern sie nur ihren Zweck erfüllen. Andere Sicherungen aber als die eines eigenen Präsidiums mit eigener Finanzverw*ltung seien ihm vorläufig nicht bekannt. Denn Kirschners Vorschlag der Doppeibesetzung einiger Posten kranke an zwei Uebeln : nahezu jeder Posten kann gegebenenfalls von ausschlaggebender Wichtigkeit werden und dann müssten alle doppelt besetzt sein, was auf zwei gesonderte Präsidien herauskäme, und ferner könne er sich ein fruchtbares Arbeiten einer solchen Doppelbesetzung, wo der eine so und der andere so wolle, praktisch nicht vorstellen. (Es leuchtet ein, daß Steinitz am Wesentlichen des Kirschner'schen Vorschlages, über den man sonst denken kann, wie man will, vorbeisieht: es beständen eben gerade nicht zwei gesondert, d. h. gesonderte beratende und beschließende Instan/en, wenn alle Ressortleiter in einem Präsidium sitzen.) Unser Bedenken gegen zwei gesonderte Präsidien, daß dann eben doch beide Kartelle als solche nebeneinander beständen, hält Steinitz an sich logisch für berechtigt, doch findet er es nicht gar so schwerwiegend. Er meint, daß durch die Bildung eines beiden Kartellen gemeinsamen Präsidialausschusses zunächst einmal eine* gewisse Annäherung geschaffen werden könnte, die, wenn sie sich in der Praxis bewährt, bei beiderseitigem Einverständnis im Verlauf der Zeit einem engeren Verhältnis Platz machen könnte. Man dürfe nicht von vornherein alles verlangen und müsse auch bereit sein, im Interesse des Zionismus Opfer zu bringen, zumal wenn es sich darum handelt, „ein begangenes Unrecht wieder gut zu machen". Ueberdies sieht er noch einen Weg, das bloße Nebeneinander der beiden Präsidien in ein gewisses Miteinander zu verwandeln: Vielleicht fänden sich, meint Steinitz recht wirklichkeitsfremd, Persönlichkeiten, die auf beiden Seiten Vertrauen genießen und von beiden Gruppen in ihr Präsidium gewählt werden. Dann entstände, anfangs wohl nur in vereinzelten, später in häufigen Fällen, eine Personalunion, die an sich schon die Garantie eines engeren Verhältnisses beider Kartelle bieten und so eine spätere völlige Fusion — falls diese einmal beiden Teilen wünschenswert erscheinen sollte — vorbereiten würde. Zum Schluß kommt Steinitz auf Kirschners Befürchtungen für den Fall des Scheiterns der Verhandlungen zu sprechen, daß nämlich beide Kartelle mangels ausreichender sachlicher Differenzen auch mit vorwiegend persönlichen Argumenten gegeneinander keilen würden. Demgegenüber ist Steinitz überzeugt, daß bei gutem Willen eine Verständigung über anständige Formen des Gegeneinanderkeilens erzielt und bei genügender Energie der Leitung dann ernstere Zerwürfnisse vermieden werden können; der B. Z. K. werde es in dieser Hinsicht ganz gewiß an nichts fehlen lassen. Wenn wir jedoch eine erzieherische Beeinflussung für unmöglich hielten, müßte der Kampf allerdings höchst unerfreuliche Formen annehmen, wofür die Verantwortung jedoch ganz allein auf uns falle. Auf Grund dieses Schreibens von Steinitz — das, wenn er es auch nicht in offizieller Eigenschaft geschrieben hat, doch von seiner Stellung als Präside des B. Z. K. nicht gut zu trennen ist — sind wir nun im Präsidium zu der Auffassung gekommen, daß wir in der Fusionsangelegenheit nunmehr zunächst nichts weiter tun können. Hierin halten wir uns nach dem Vorangegangenen der Zustimmung des gesamten Kartells für gewiß. Zum drittenmal hat der B.Z K — nach Ablehnung der im letzten J. St. bereits dargelegten früheren Verständigungsversuche von Kirschner und Marcus — persönliche Stimmungen und Verstimmungen sowie formelle Bedenken über die Sache gestellt! Nicht weil wir uns etwas vergeben würden, sondern weif uns das Gefühl zionistischer Verantwortung