Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Die Verhandlungen mit dem B.Z.K. einer Fusion überlassen werden könnte, das ganze Präsidium, nicht nur einzelne Ressorts, zu besetzen, zumal ein Teil der bisherigen Präsidiumsmitglieder ohnedies an anderweitige zionistische Arbeit dächte. Diese Andeutung wurde jedoch als Falle, mit der wir beweisen sollten, daß die anderen nicht arbeitsfähig seien, angesehen und außer Diskussion gelassen. Steinitz sagte jedoch zu, nach Benehmen mit anderen Präsidiumsmitgliedern des B. Z. K. Kirschner noch einen formulierten Bescheid zu geben. Nach Berlin zurückgekehrt, legte Kirschner Steinitz für dessen in Aussicht gestelltes Schreiben sofort noch einmal hauptsächlich die prinzipielle Frage vor, ob er, unter der Voraussetzung, daß man über die organisatorischen Fragen zu einer Einigung kommen werde, bereit sei, im B. Z. K. eine fusionsfreundliche Atmosphäre zu schaffen. Kirschner wies des weiteren kurz darauf hin, welche traurigen Zustände das Bestehen zweier sachlich zionistisch übereinstimmender und nur durch persönliche Momente getrennter Kartelle, insbesondere hinsichtlich der Keilarbeit und der damit unvermeidlichen Differenzen, schaffen würde. (Hierzu ist übrigens zu bemerken, daß Kirschner sich sowohl bei Steinitz und Glaser, als auch bei Berliner und Frankfurter B. Z. K.-ern ausdrücklich und wiederholt vor der Aktion vergewissert hatte, daß der B. Z. K. nicht auf einer sachlichen Differenzierung vom K. J. V. beruhe, etwa in der Richtung, daß er das Weil - Karl Lewin'sche Programm zum Gegenstand seiner Erziehung mache oder machen wolle.) Das von Steinitz Mitte Mai bei Kirschner eingegangene Schreiben möchten wir nun, da es uns in wesentlichen und in vielen Einzelpunkten charakteristisch zu sein scheint, seinem Inhalte nach ausführlich wie folgt wiedergeben: Kirschners grundsätzliche Frage, ob das Präsidium des B. Z. K. — unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß über organisatorische Dinge eine Verständigung gelänge — bereit wäre, eine Atmosphäre der Fusionsfreundlichkeit zu schaffen, könne Steinitz in dieser Form nicht beantworten, da er so schnell, wie Kirschner es erbat, keine Gelegenheit habe, das Präsidium des B. Z. K. zu befragen. Persönlich interpelliert, ob er unter obiger Voraussetzung sich für die gewünschte Stellungnahme im Präsidium einsetzen wolle, könne er mit einem überzeugten und freudigen „Ja" antworten, denn auch er sei himmelweit davon entfernt, Prestigepolitik treiben zu wollen. Trotz dieser prinzipiellen U ehe rein Stimmung stehe er aber den praktischen Konsequenzen höchst skeptisch gegenüber, da die uns angeblich so nebensächlichen organisatorischen Voraussetzungen weder für das K. J. V. noch für den B. Z. K. nebensächlich seien, und da gerade an dem, was Kirschner das „Technische'4 oder „Organisatorische Dinge''' genannt habe, nach seiner Auffassung die Einheit des K. J. V. auf dem letzten Kartelltag zerschellt sei. Die Gewährung einer völligen organisatorischen Selbständigkeit, d. h. einer völligen Unabhängigkeit seiner Gruppe von allen, selbst den etwa einstimmig gefaßten Beschlüssen „Eurer Gruppe" (wie Steinitz sich, über die tatsächlichen Verhältnisse im K. J. V. und im Präsidium offensichtlich unorientiert, ausdrückt), sei die unverrückbare Grundlage, auf der er allein die Anbahnung einer Fusionspolitik glaube verantworten zu können. Für diesen Standpunkt wirft Steinitz Lelewer und Kirschner ein auffallend geringes Verständnis vor, erklärlich daher, daß beide von der „monatelangen empörenden Behandlung seitens des Präsidiums" bis zu der Unterredung in Breslau keine Ahnung hatten, geschweige denn davon betroffen waren. Sie aber, die diese Präsidiaipolitik am eigenen Leibe gespürt haben, würden sich unter keinen Umständen der Möglichkeit einer gleichen Behandlung zum zweiten Male aussetzen. Die von Lelewer und Kirschner übrigens mangels persönlichen Urteils über diese Dinge nicht ausgesprochene Anerkennung der Tatsache, daß bisher im K. J. V. der Geist der Intoleranz geherrscht habe, und eine bloße Zusage, daß es jetzt anders werden solle, seien ihm keine genügende Bürgschaft, so