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Der jüdische Student · 1920-06-01 · Heft 3 (Juni 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 3 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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Die Verhandlungen mit dem B. Z. K. 145 Bekanntlich hatte der Bezirksverband Oberschlesien im Anfang des Jahres einen Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Kartelltags gestellt. Da dieser Antrag nicht hatte erkennen lassen, daß er auf eine •offiziöse Fühlungnahme zwischen den Oberschlesiern und dem B. Z. K. zurückzuführen war, wie neuerdings von einigen Bundesbrüdern, die sich mit der Angelegenheit befassen, behauptet wurde, so hatte das Präsidium den Antrag abgelehnt, weil es einen außerordentlichen Kartelltag als unnötige Belastung des Kartells ansah und von ihm nicht eine Klärung, sondern nur eine Beunruhigung des Kartells befürchtete. Daß wir mit dieser Beurteilung Recht hatten, ergibt das Votum der meisten Kartellorganisationen in der Provinz (vgl. die Uebersicht auf S. 99 im letzten J. St.). Die Ablehnung des außerordentlichen Kartelltags hatte aber bei den Pberschlesiern sehr verstimmt und zu der Auffassung geführt, das Präsidium tue nicht nur nichts im Interesse einer Wiedervereinigung der beiden Kartelle, sondern stehe diesem Gedanken ablehnend gegenüber. Die Verstimmung der Oberschlesier verdichtete sich sogar, wenigstens gerüchtweise, bis zu der Absicht, angesichts einer solchen von ihnen unterstellten Haltung des Präsidiums aus dem Kartell auszuscheiden. Um die Oberschlesier von der objektiven Unrichtigkeit ihrer Auffassung zu überzeugen, beschloß das Präsidium, die Bundesbrüder Lelewer und Kirschner nach Breslau zu entsenden, um dort eine Aussprache mit Dobrzynski herbeizuführen. Diese Aussprache hat am 8. Mai stattgefunden, wobei die ganze durch die Gründung des B. Z. K. akut gewordene Frage mit Dobrzynski eingehend besprochen wurde, mit dem erfreulichen Ergebnis, daß Dobrzynski zu der Erkenntnis gekommen ist, daß das Präsidium tatsächlich alles getan hat, um im Falle des B. Z. K. die sachlichen zionistischen Forderungen durchzusetzen, daß aber der B. Z. K. auf unsere Gedanken bisher in keiner Weise eingegangen ist. Die Bundesbrüder Lelewer und Kirschner haben in Breslau selbstverständlich auch mit dem B. Z. K. und zwar mit Steinitz und Fritz Glaser Fühlung genommen. Steinitz gab für seine Person grundsätzlich durchaus zu, daß im höheren zionistischen Interesse eine Fusion stattfinden müsse, aber er versah dieses Zugeständnis mit Einschränkungen, welche es praktisch aufhoben. Insbesondere beklagte er die angeblich übertrieben zentralistische Regierung des Kartells durch das Präsidium, das, über die rein geschäftsmäßige Verwaltung der Kartellgeschäfte hinaus, durch letztlich immer dieselben Leute der gleichen Richtung die Entwicklung des Karteiis einseitig beeinflusse. Vornehmlich in dieser Beziehung würde daher der B. Z. K. Garantien für die Vertretung auch seiner Kreise im Präsidium verlangen müssen. Hierüber wurden beiderseits unverbindlich einige praktische Vorschläge erörtert, jedoch ohne Ergebnis einer Uebereinstimmung. Steinitz war überhaupt sehr zurückhaltend und behielt sich alle Erklärungen für das Präsidium des B. Z. K. vor. Dabei ist zu bedenken, daß Steinitz zu der uns freundlicher gesinnten Richtung gehört und sich in einer schwachen Minorität befindet. Im ganzen hat die Unterhaltung erwiesen, daß die B. Z. K.-er anerkennen, ihre Sezession habe keine zionistisch sachlichen, sondern nur persönliche Gründe (mangelndes Gefühl bundesbrüderlicher Verbundenheit im K. J. V., wie s i e sagen, — persönliche Differenzen zwischen den führenden Personen der einzelnen Richtungen und das Aufeinanderprallen verschiedenartiger Charaktere, wie wir es letzten Endes beurteilen). Wenn daher überhaupt einmal eine Fusion zustande komme, müsse sie zunächst so durchgeführt werden, daß man organisatorisch voneinander getrennt bleibe. Auch eine solche Fusion käme aber erst in Frage, wenn der B. Z. K. gezeigt habe, daß er eine Macht sei. Dieser Entwicklung scheint man im B. Z. K. gewiß zu sein. Von unserer Seite wurde — abgesehen von einem Vorschlag Kirschners wegen doppelter Besetzung der wichtigsten Präsidialressorts (Finanzen, Ueberweisungen, Erziehung, J. St.) und alljährlichen turnusmäßigen Ausscheidens einer bestimmten Anzahl von Präsidiumsmitgliedern — sogar aus gleichfalls privater Initiative die Möglichkeit angedeutet, daß, wie früher nach Ansicht der B. Z. K.-er eine bestimmte Richtung das Präsidium beherrscht habe, so auch ihnen ja im Falle

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