Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Erfolg der Methoden. Die erste A^ethode ist ja allgemein üblich und erfordert keine besonders rege Teilnahme des Einzelnen. Diese hängt vielmehr von dem Interesse ab, das dem Stoff entgegengebracht wird, und von der Art des Vortrages. Allgemein hat man sich an diese Art der Kurse gewöhnt. Der Erfolg war denn auch mittelmäßig. Einige erwarben sich ein gutes Wissen, andere betrachteten den Kursus als eine mehr oder minder angenehme Unterhaltung, die zu nichts verpflichtete. Die zweite Methode ist ungewöhnlich und erfordert von vornherein eine rege Teilnahme des Einzelnen nicht nur jn der Vorbereitung für den Kursus, sondern auch bei der Aussprache. Der Versuch mißlang vollkommen. Erst mit Mühe ließ sich eine Diskussion herbeiführen und dann noch kaum lebendig erhalten. Nun glaube ich, daß dies nicht an der Methode gelegen hat, denn welcher Jude sollte sich nicht bei unserem bekannten Anpassungsvermögen an eine neue Methode gewöhnen können! sondern vielmehr an örtlichen Verhältnissen, die auseinanderzusetzen zu weit führen und auch nicht für Euch von Wert sein würde. Die Methode verlangt meiner Ansicht nach nicht mehr als von einem Durchschnittsakademiker, um wieviel mehr also von einem Durchschnitts-K. J. Ver verlangt werden kann, nämlich: gründliche Arbeit in Dingen, über die man mit dem Anspruch auf einige Sachkenntnis spricht oder sprechen will. d) Anregungen zum Geschichtsunterricht Die As*beitsgemeinschaft der naiionai-jiidischen Jugend Von Leo Kaufmann (Köln) Die Arbeitsgemeinschaft soll die besten und reifesten der jungen jüdischen Menschen umschließen, die durch die Erziehung der einzelnen Jugend-Organisationen bereits hindurch gegangen sind. Diese sollen sich hier in enger Gemeinschaft eine stete Bereicherung an jüdischen Werten erarbeiten. A) Der Inhalt der Arbeit Der Inhalt der Arbeit ist gegeben durch die jüdischen Tatsachen. Es gilt Erkenntnis zu gewinnen für die Kräfte der jüdischen Vergangenheit, Antwort zu geben auf die Fragen der jüdischen Gegenwart, Wege zu finden für die Aufgabe der jüdischen Zukunft. Das Gebiet der jüdischen Tatsachen ist ein ungeheures. Es gilt darum, abzugrenzen, den Weg in Etappen zu teilen. Der erste Abschnitt, (Jie Grundlage aller weiteren Arbeit, ist die Erkenntnis der jüdischen Vergangenheit. Denn das ist eine Eigenart des jüdischen Volkes, daß sich sein Wesen weniger manifestiert in dem Nebeneinander der einzelnen Volksglieder als in dem Nacheinander der Generationen, weniger in der Biologie des Volkes, als in seiner Geschichte. Die jüdische Geschichte erkennen heißt darum das jüdische Volk in seiner Eigen- und Einzigartigkeit erkennen. Das aber bedeutet die Erkenntnis unseres eigenen Wesens mit seinen Fähigkeiten und Grenzen und damit unseres Weges in die Zukunft. Die jüdische Geschichte ist also der erste Inhalt unserer Arbeit.