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Der jüdische Student · 1920-06-01 · Heft 3 (Juni 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 3 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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132 Preuss, Bericht des Erziehungsressorts auch zionistisch zielbewußter, in der Gemeinschaft disziplinierter sein. Es ist in diesem Punkte recht viel zu ändern. Ich bitte die Bundesbrüder sich zu diesen Ausführungen zu äußern. 2. Hebräische Erziehung Die hebräische Erziehung im Kartell geht noch nicht die Wege, die wir erhofften, obwohl ein Fortschritt gegenüber der Vorkriegszeit ganz unverkennbar ist. Es muß mit aller Energie darauf hingewiesen werden, daß der Kartelltag das hebräische Inaktivenexamen eingeführt hat, und daß kein Bundesbruder inaktiviert werden darf, der sich diesem Examen nicht unterzogen hat. Die Möglichkeiten, des Hebräischlernens sind heute überall vorhanden und jeder Bundesbruder muß sich diese notwendige Zeit nehmen. Es ist jedem Einzelnen möglich, Englisch und Französisch in wenigen Monaten zu lernen, wenn er sein Fortkommen finden will, aber wenn man dasselbe mit dem Hebräischen machen soll, erscheint es als eine Unmöglichkeit. Es sei hier noch einmal darauf hingewiesen, daß, wie Schmarja Lewin in einer Besprechung vor kurzem wiederum mit allem Nachdruck betonte, niemand Aussicht hat, nach Palästina in einer irgendwie bedeutsamen Stellung zu kommen, der nicht Hebräisch beherrscht. Hier muß eine ungeheure Wandlung einsetzen. Ich gebe im Folgenden einen Bericht von Bundesbruder Goitein wieder: „Nur etwas möchte ich gleich vorausschicken. Darüber sind wir uns klar geworden, daß die verschiedenen Kurse vielleicht schön, aber nicht gut sind. Neben Tendenz gibt es nur ein Unterrichtsfach Hebräisch. Darin muß nicht nur die Summe der anderen Wissenszweige als da sind: Geschichte, Palästinakunde, Literatur gegeben, sondern vor allem auch der Grund zu einer festen Weltlebensansicht gelegt werden. Der K. J. V.-er muß nach 6 Semestern tatsächlich ein hebräisch gebildeter Mensch sein. Bei dem guten Fuxenmaterial hoffe ich das Beste, zumal wir 3—4 Bundesbrüder haben, die .das Hebräische in Wort und Schrift beherrschen und mit der jüdischen Tradition und zionistischer Gesinnung aufgewachsen sind. Mit dem größten Teil der anwesenden Bundesbrüder wird die Arbeit gleich nach Pessach begonnen werden. Daß wir den jungen Menschen mit seinen Jezer Hara und seinem Streben nach Zerstreuung, wie man es nennen will, erfassen müssen, schrieb ich Euch schon". Zu diesem Briefe wäre zu überlegen, ob eine solche Hebräisierung, die allen ein wahrhaftes Bedürfnis sein müßte, weil nur sie imstande ist, den Einzelnen zu einem wirklichen Juden mit Wissen von jüdischer Kultur zu erziehen, in 3 Jahren erreichbar ist. Zweifellos gibt intensives Arbeiten die Fähigkeit, jüdische Dinge ganz anders zu erfassen, als es bei dem bisherigen Schlendrian möglich war, wobei uns der intensive Wille, in diese Zusammenhänge hineinzukommen, der nationale Gedanke, erst die Zusammenhänge fruchtbar macht. Jeder, der diese Wege versucht, weiß, wie falsch die Theorie des B. Z. K. ist, daß eine „Intensivierung" nicht schon im Galuth zu einem äußerst wichtigen Einleben in jüdische Kultur und zur Steigerung unseres nationalen Unabhängigkeits- und Kulturgefühls führt. Ein Weg, hier vorwärts zu weisen gibt für die Korporationen Bundesbruder Kirschner an.*) Es sei hier ferner darauf hingewiesen, daß die Einrichtung eines hebräischen Lehrerseminars in Berlin, in dem alle Unterrichtsfächer in hebräischer Sprache unterrichtet werden, im Prinzip beschlossen worden ist. Wir machen hier noch einmal alle Bundesbrüder darauf aufmerksam, daß für den hebräischen Lehrer sowohl in Palästina wie im Galuth Aussichten und Möglichkeiten sehr günstig sind, und daß die Bundesbrüder sich überlegen sollten, ob sie nicht statt des Studiums von Juristerei und Nationalökonomie diesen Weg beschreiten sollen. *) Abgedruckt auf S. 142 — B. C.

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