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Der jüdische Student · 1920-06-01 · Heft 3 (Juni 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 3 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Preuss, Bericht des Erziehungsressorts 131 b) Bericht des Erziehungsressorts Von Walter Preuss (Duisburg) Nachdem das erste Rundschreiben, das Euch vor einiger Zeit zuging, nur geringen Widerhall gefunden hat, will ich Euch heute nur wenig von aktuellen Dingen berichten, ich will versuchen, eine Reihe von wichtigen Erziehungsfragen in diesem Bericht zu besprechen. Ich setze dabei voraus, daß die Berichte des Erziehungsressorts an besonderen Abenden besprochen werden. Besonders erwünscht ist eine Diskussion, über diese, wie Ihr sehen werdet, wichtigen, aktuellen Probleme, über deren Ergebnisse das Erziehungsressort gern berichtet hätte. Es sollen dann diese Berichte wieder fortlaufend bearbeitet werden. Da es sich hier zunächst um einen Versuch handelt, so muß meine subjektive Ansicht mehr als mir lieb ist, in den Vordergrund treten, sie kristallisiert sich immerhin als Ergebnis von Erfahrungen und Besprechungen mit Bundesbrüdern. In den späteren Berichten sollen möglichst Meinungsäußerungen der Bundesbrüder zu den Problemen zur Wiedergabe gelangen. 1. Antisemitismus und Erziehung Es zeigt sich, daß unsere Bundesbrüder dem wachsenden Ansturm der antisemitischen Hetzereien und Beleidigungen keinen Widerstand mehr leisten und zwar wird ihre Energie gelähmt aus einem an und für sich richtigen zionistischen Gedankengange heraus. Man sagt sich etwa: solange ein Galuth besteht und die Juden zerstreut unter anderen Völkern leben, ist Antisemitismus eine unvermeidliche Reaktionserscheinung, an der sich durch Widerstand nichts ändern läßt. Die Kleinarbeit des K.-C. lehnen wir als erfolglos und in ihrer Begründung verächtlich ab. Wir sind uns bewußt, daß nur positive Arbeit zu einer jüdischen Erlösung und damit zum Ende des Antisemitismus führen wird. Als positive Arbeit ist letzthin nur die zionistische Erfüllung zu betrachten. Als Gegenwartsaufgabe etwa die Ueberführung der jüdischen Massen in produktive Berufe, wie sie sich etwa das Arbeitsamt zum Ziel gesetzt hat. Uns interessiert hier das Problem nicht als solches, sondern in seiner Wirkung auf die Erziehung der Bundesbrüder. Während früher ein gut Teil unserer Arbeit darauf ausging, den Bundesbruder zu männlich entschlossenem Auftreten gegenüber allen Beleidigungen, sowie besonderer Forschheit antisemitischen Gemeinheiten gegenüber evtl. mit der Waffe in der Hand zu erziehen, hat die eben begründete Einstellung zur Folge, daß unsere Bundesbrüder sich daran gewöhnen, Beleidigungen, antisemitische Pöbeleien usw. einfach zu überhören, mit der Begründung, es sei zwecklos, irgendwie sich für solche Dinge zu exponieren. Diese Stellungnahme hat verhängnisvolle Folgen für die Erziehungsarbeit. Es dürfte ein kaum zu bestreitendes Urteil sein, daß, wo nicht strenger Sportbetrieb an die Stelle getreten ist, unsere Bundesbrüder durchaus schlapper und energieloser als früher sind. Das hat dann wieder Folgen für die ganze Auffassung der Bundesbrüder von Disziplin, Unterordnung und Gemeinschaft. Es wäre hier die Frage zu stellen: Ist unsere Erziehung in diesem Punkte falsch, hatte nicht die Satisfaktion (bei ihrer selbstverständlichen Unmöglichkeit, von der garnicht zu reden ist) das eine Gute, daß sieunsere Bundesbrüder mannhafter und disziplinierter machte? Wie kann man, wenn man die Richtigkeit der zionistischen Deduktion einsieht, zu anderen Resultaten kommen? Es bleibt nur übrig, das persönliche Ehrgefül des Einzelnen anzustacheln. Wirklich starke und kraftvolle Menschen (und die zu erziehen ist uns erste Aufgabe) reagieren auf .Ehrbeleidigungen jeder Art instinktiv, und es kann nur ein arger Rückfall sein, wenn unsere Bundesbrüder sich mit derartigen logischen Erwägungen betäuben. Wie in allen anderen Dingen greift auch hier eins in das andere über. Machen wir in diesem Punkte unsere Bundesbrüder stärker und natürlicher, so werden sie

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