Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschreiben des Erziehnngsressorts 127 geht. Wir haben Palästina noch nicht, auch noch nicht, wenn die Einwanderung offen ist, und auch noch nicht nach Jahren ungehemmter Einwanderung. Wir haben Palästina erst dann, wenn jeder Einzelne von denen, die ganz und nur auf Palästina eingestellt sind, seine Pflicht dem Lande gegenüber erfüllt hat. Palästina ist heute mehr als jemals die ganz besondere Aufgabe des Einzelnen. Und haben wir denn wirklich so viele Menschen von dieser Sorte, daß wir Einhalt gebieten müssen in dem Bestreben, neue zu erziehen? Das Land braucht uns, und zwar in größerer Anzahl als es in Deutschland und vielleicht in der ganzen Welt gibt, es braucht Menschen, die mit ihren eigenen Händen, mit dem Gefühl ihrer persönlichen Verantwortung arbeiten und aufbauen werden. Weiß man, wieviel drüben, noch nach Jahren, umfallen, verzweifeln und zurückkehren werden? Es werden nicht wenige sein. Und dann muß Ersatz da sein, denn schlimmer ist e , auf halbem Wege stehen zu bleiben, als garnicht angefangen zu haben. Das ist die Zukunftsaufgabe aller jener, für die Palästina einziger Lebens inhalt ist Es sind nicht zu viel, sondern viel zu wenig! Aber der von ihnen, der nach dem 27. Februar 1919 'oder heute sagt, er könne nicht mehr warten, der beweist nur, daß er die Aufgabe nicht erfaßt hat. Es geht nicht um heute und morgen, es geht vielleicht garnicht um uns selbst, sondern ailes verlangt das Land, die Aufgabe, die wir uns gestellt haben. Und da gibt es nur eins: Jeder gehört an den Platz, an den er gestellt wird, und muß kommen zu der Zeit, zu der er gerufen wird, nicht später, aber auch nicht früher. Man wird keinem etwas versprechen, höchstens Arbeit und Entbehrung, aber wer in Sehnsucht warten und, wenn die Zeit gekommen ist, alles auf sich nehmen kann, der wird nicht nur das Land aufbauen, er wird auch sich selbst erlösen. Werner Rosolio Die Erziehungsarbeitim Kartell a) Rundschreiben des Erziehungsressoris*) Liebe Bundesbrüder! Wenn das Erziehungsressort sich mit einigen Vo~schlägen und Plänen an Euch wendet, so geschieht das in der Voraussetzung, daß mindestens einige von Euch die Vorschläge durchdenken und, mehr als das, tatsächlich an die Verwirklichung einiger von ihnen mit herangehen. Denn mehr als jedes andere Ressort ist das Erziehungsressort in einer schwierigen Lage. *) Dieses Rundschreiben wurde im Februar an alle Kartellorganisationen gesandt. Es gelangt hier zum Abdruck, weil es die Grundsätze der Arbeit des Erziehungsressorts enthält, die die Allgemeinheit interessieren dürften. B. C.