Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Roso'io, Palästina als Aufgabe der Jugend 125 Not des jüdischen Volkes, die nur Palästina heilen kann, den ihm gebührenden Platz im Denken des Einzelnen. Aber Hans Oppenheim hat etwas sehr Wesentliches vergessen, nämlich die Schlussfolgerung aus dieser persönlichen Einstellung zu ziehen. Stellen wir uns den Typus des jungen Zionisten vor, dessen Zionismus in den beiden von Oppenheim aufgezeigten Wurzeln seinen Orund hat, so ist das beherrschende Moment seines Denkens das, daß er in der Arbeit in Palästina seine ureigenste Aufgabe sieht. „Palästina wird nicht ohne mich aufgebaut werden, auch wenn ich nur als kleiner Baustein im großen Haus meinen Platz habe". Diese Auffassung, vereinzelt bedeutungslos und überheblich scheinend, gewinnt ihre ungeheure Stoßkraft und ihren Wert dadurch, daß sie von einer innerlich homogenen Menge (ein paar Hundert nur) junger Zionisten vertreten wird. Man kann nicht nur mit dem Gefühl herübergehen, daß man eine gute Tat für das leidende jüdische Volk tut; daraus wird im besten Falle ein Rachmones-Zionismus, im schlechteren ein Verzweifeln an dem Willen des jüdischen Volkes, das nur zum kleinen Teil hinter uns steht. Unsere Palästinahoffnung, unsere Sehnsucht nach Erfüllung im Lande ist ein Wechsel auf die Zukunft, freilich, aber es gibt keinen, der ihn uns einlöst, wenn nicht wir selbst es tun. Die Arbeit jedes Einzelnen, der in dem Gefühl seiner absoluten Unentbehrlichkeit hinübergeht, wird das Land aufbauen. Von dieser Stimmung getragen werden ein paar Hundert mehr leisten als die vielen Tausende derer, die nach Palästina gehen, weil es ihnen nirgends mehr schlechter gehen kann als in dem Lande, aus dem sie kommen. Wie aber ist diese Stimmung, Chaluzstimmung im wahrsten Sinne des Wortes, zu schaffen, wenn nicht auf dem Wege einer unbedingt und ausschließlich auf Palästina gerichteten E-ziehung? Fürchten wir doch nicht, daß wir die Jungen zur Ueberschätzung ihrer eignen Aufgabe in Palästina erziehen; der . Hemmungen sind so viele und so starke, daß sie früher oder -später (je später, desto eindringlicher) auftreten; wer sie dann aber doch überwindet, der ist wirklich brauchbar und wertvoll. Das sind wenige, aber diese wenigen sollen und müssen herübergehen. Machten wir aber den anderen Versuch, sagten wir von vornherein nur: „Nur ganz wenige sind geeignet, drüben zu leben, am Aufbau des Landes zu arbeiten und ihre persönliche Erlösung zu finden; ihr andern müßt hierbleiben, hier euer Judentum leben und hier eure Arbeit für die Gesundung des jüdischen Volkes leisten" sagten wir das, so begingen wir einen großen Fehler in zwei Richtungen, Der eine Fehler, oben schon angedeutet, bestände darin, daß von den wenigen, die wir von vornherein als geeignet für Palästina aussuchen würden, noch viel wenigere übrig blieben. Denn bei allem Erfolg einer solchen Erziehung werden doch niemals unsere Menschen ihr alleiniges