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Der jüdische Student · 1920-06-01 · Heft 3 (Juni 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 3 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Wolff, Oedanken über die zionistische Dienstpflicht 119 gezwungen gemacht wird, die Hauptsache ist, daß sie getan wird. Die Betonung der zwangsmäßigen Arbeit fällt erst dann ins Gewicht, wenn man nicht mehr an die Arbeit selbst denkt, sondern an die Erziehung unsrer Leute, die später einmal diese Arbeit tun sollen. Und da, glaube ich, liegt der ungeheure erzieherische Wert in dem Gedanken der Dienstpflicht. Wir können unseren jungen K. J. V.-ern die Idee des K. J. V. als. des Sammelpunktes, der der Idee nach besten Zionisten, durch das große und schöne Argument der freiwillig übernommenen Dienstpflicht — klarer und deutlicher darstellen. Wir können diese Menschen darum stärker erfassen, weil sie dann im K. J. V. den Willen zur entschlossenen Tat um so deutlicher erkennen können. Und nur so kann man junge Menschen erfassen, daß man ihnen Tat weist. An dieser Stelle möchte ich auch gleich ein Gebiet unsrer Kartellorganisation berühren, daß bisher immer versagt hat und worüber trotz dringender Aufrufe und Artikel auf jedem Kartelltag geklagt wurde. Ich meine das Ueberweisungsressort; es ist ganz klar, daß diese Einrichtung nie fnnktionieren wird, weil sie im Grunde genommen zu wenig fordert, weil sie in ihrem Verlangen nach der Tat auf dem halben Wege stehen bleibt, weil sie den Menschen nie ganz fordert, sondern immer ein Kompromiß mit seinen ach so traurigen und kleinen Alltagssorgen. Vielleicht liegt hier auch ein Grund für die Erscheinung, der wir so oft erschreckend und fragend gegenüber stehen, daß doch viele der Leute, von denen wir uns viel versprachen, allmählich sich zurückgezogen haben. Vielleicht waren das eben die Leute, die auf die große Forderung in der K. J. V.-Arbeit gewartet haben und es vergeblich taten. Auch sie sind die Menschen, für die die Dienstpflicht die Lösung ist, da sie selbst nicht stark genug sind, allein den richtigen Weg zu finden. Und wer heute und in den letzten Semestern die Korporationen gesehen hat, wer gesehen hat, eine wie starke Depression besonders auf den „Vielversprechenden" lastete, der wird erkennen, daß auch hier der Grund zu einem großen Teil der Unbefriedigtheit in der zu schwachen Anspannung durch die Verbindung zu suchen ist. Es sei betont, daß Verbindungsleben nicht mit täglichen Veranstaltungen zu verwechseln ist. Wenn man diese Menschen wirklich durch eine solche Forderung, wie die der Dienstpflicht, zur Tat emporreißen könnte, wenn man sie dadurch gleichzeitig von ihrem persönlichen Ich zu der Pflicht gegenüber dem Volke hinführen würde, dann hätten wir sehr bald innerhalb der Korporationen viel von dem beseitigt, was all diese letzten Semester die Verbindungen in ihrer Arbeit so stark und schwer gehemmt hat. Wenn man auch dies bedenkt, wird man vielleicht noch eher verstehen, was an der Idee der Dienstpflicht so großes und wertvolles ist. Und nun noch ein praktischer Vorschlag bei der Durchführung. Es ist klar, daß der neu aufgenommenene Bundesbruder den Oedanken der Dienstpflicht noch nicht so begriffen haben kann, wie es unbedingt notwendig ist, wenn er sich für ihn mit seiner ganzen Persönlichkeit einsetzen soll. Man könnte es ungefähr so einrichten, daß die Burschung des Betreffenden nur dann möglich ist, wenn er sich vorher verpflichtet, seiner Dienstpflicht nachzukommen. Es wird dann die Erziehungsarbeit der Korporationen sein, ihren Bundesbruder in den ersten Semestern in der Richtung zu beeinflussen, daß ihm nachher die bejahende Entscheidung nur als selbstverständliche Folge seiner Entwicklung erscheint. Doch über die Praxis möge man sich erst dann unterhalten, wenn man sich über die Theorie einig ist. Die Ausführungsmöglichkeit einer Idee wächst in vielfacher Potenz mit der Stärke des Ausführungswillen. Und letzterer soll und muß geschaffen und gestärkt werden! —

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