Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1920)
- Date
- 1920-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rosenblüth, Zionistische Dienstpflicht 117 Vereinsamung, des Rückschlages nicht auf sich nimmt, wird nie zum Siege kommen." Und es klingt mir, wie zu uns gesprochen, wenn er weiter ruft: „ . . Aschenhafte, Schlafmützige, Philister sind über Dir, Volk, wo sind die Kolumbusnaturen die lieber auf gebrechlichem Schiff und aufs Ungewisse hin aufs hohe Meer gehen als auf die Entwicklung warten? Wo sind die Ganzen, die Munteren, die Sieghaften ..die über diese Grauen zu lachen beginnen?" ... Wo ist noch ein Funken dieses Geistes in unserem Kartell. Nicht dort, wo man die Dienstpflicht mit „weisen" Resolutionen ablehnt, nicht dort, wo man sich stundenlang über „Ausführbarkeit", über „Entwicklung", über „Zweckmäßigkeit" unterhält. Das Kartell ist dann dem Untergang geweiht, wenn wir den Weg dieser „Philister" gehen. Man fürchtet, wie es in Resolutionen hieß, die „große Geste", die großen Worte, den Enthusiasmus. Ich will Euch noch einen zitieren; der viel bei uns gelesen wird, Krapotkin*). Er berichtet, daß die Abgeordneten des III. Standes im Ballhaus deri feierlichen Schwur leisteten, sich nicht zu trennen, ehe sie Frankreich eine Verfassung gegeben hätten und fährt wörtlich fort: „Das waren ohne Frage nur Worte. Es lag sogar etwas Theatralisches in diesem Schwur. Aber was tut das! Es gibt Augenblicke, wo es solcher Worte bedarf, die das Herz des Menschen erfassen und in Schwung bringen. Und der Schwur, der im Saal des Ballhauses geleistet wurde, ergriff das Herz der revolutionären Jugend ganz Frankreichs. Wehe den Tagungen, die nicht einmal imstande sein werden, diese Worte, diese Gebärde zu finden!" Wehe uns, wenn wir uns durch welche auch immer triftigen Gründe von jenem Geist, der feindlich all diesem Begeisternden ist, beherrschen lassen. Mehr denn je haben wir Feuer und Sturm in unseren Reihen nötig. Mehr denn je gilt es aufzurufen, zu wecken, mitzureißen und zu handeln. Wenn das Kartell nicht begreift, daß die Stunde uns, die Jugend, verlangt, daß wir verpflichtet sind von uns aus, wenn die „Führer" das Feuer besänftigen, statt anzufachen — dann werden wir im Augenblick, wo es einmal gilt, zu handeln, kläglich scheitern. Ein einheitlicher Beschluß des Kartells für die zionistische Dienstpflicht würde wie eine Erlösung und Befreiung durch unsere Reihert gehen. - *) Kr., Die französische Revolution.