Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 2 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Trautmann, Was uns fehlt 93 Fleißigeren hinderten, wer es mit seiner Arbeit ernst meint, wird sich niemals von anderen davon abhalten lassen, wer sich aber von anderen beeinflussen läßt, der beweist, daß er den richtigen Willen zur Arbeit nicht besitzt.- Es hat niemals eine Schule gegeben, wo jeder die Höchstleistung erfüllte, und dort waren die Tüchtigen trotzdem die Tüchtigen Ja ich bin sogar der Ansicht, daß der Tüchtige den weniger Tüchtigen beeinflußt und nicht umgekehrt. Woher nehmen wir die Kühnheit assimilantische und völlig entfremdete Keilfüxe zu werben, wenn wir nicht einmal den Mut und die Fähigkeit haben unsere eigenen Gesinnungsgenossen uns zu erziehen? Wir sehen aus alle dem, des Rätsels Lösung liegt wo anders. Der nagende Wurm liegt nicht etwa in der Verschiedenheit der Anschauungen, sondern er besteht darin, daß unsere gegenseitige Intoleranz und die Leidenschaft mit der sie genährt wurde, es einfach unmöglich machte, daß verschiedene Meinungen nebeneinander existierten. Wie wollen wir dann in Palästina eine Einheit bilden, wenn wir nicht einmal im Golus es verstehen nebeneinander friedlich zu leben. Die gegenseitige Bekämpfung wars, die Jerusalem den Untergang brachte. Die Eintracht den Juden zu lernen ist die historische Aufgabe des Golus. Solange wir die nicht erlernt haben, war das Golus nicht lang genug, solange sind wir nicht reif für die Heimat Und ich glaube vor allem das zu lernen, gehört zur Vorbereitung auf Palästina. Nach Einheit der Anschauungen zu streben ist ein Unding. Eine Einheit der Anschauungen gibts nicht im Menschenleben. Was uns fehlte, war und ist nicht die Einheit sondern die Einigkeit. Einigkeit ist's was wir brauchen, und Friede im Kampfe der Meinungen. Das ist der Schlüssel zum Rätsel, der uns den Weg zeigt mit dem B. Z. K. zusammenzugehen im Interesee des Zionismus, jener alles überragenden Idee, die uns mit dem B. Z. K. verbindet, und nicht jener kleinen Ideen, die uns von ihm unterscheidet. Ich möchte es nicht unterlassen hier den Konventsbeschluß der Kadimah Hamburg zu zitieren: „Der Bez. Verb, und die V. J. St. Hamburg halten die Zeit für die Einberufung eines a. o. K. T. aus verschiedenen Gründen noch nicht für gekommen, bedauern aber auf das lebhafteste alle gegenseitigen Anfeindungen beider Kartelle. Die V. J. St. Kadimah und der B. V. Hamburg halten eine sofortige Besprechung der beiderseitigen erweiterten P r ä% s i d i e n für unbedingt erforderlich, um fürs erste, so gut es geht, Wege eines friedlichen Zusammenarbeitens im zionistischen Interesse zu finden. Ob eine Fusionierung oder das Zusammenarbeiten in getrennten Kartellen das gegebene ist, diese Frage läßt sich leicht beantworten, wenn wir erst einmal das geschaffen haben, was uns fehlt: den Willen zur Einigkeit.