Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 2 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Q2 Trautmann, Was uns fehlt den Keilffixen gegenübertreten, ohne sie stutzig zu machen? Der K. C. wird es als willkommenes Propagandamittel im Kampf gegen uns verwerten. Außerdem liegt die berechtigte Befürchtung nahe, daß das neue Kartell einen ganz beträchtigen Teil des Nachwuchses uns wegnehmen wird. Wir wissen, daß die ausgetretenen Bundesbrüder gerade diejenigen sind, die auf das Keilen am meisten Wert legten und die das Keilen auch besser verstehen als wir, xlie wir mehr auf innere Entwicklung eingestellt sind. Wenn wir außerdem berücksichtigen, daß der Mehrheit der Keilfüxe einerseits der K. C. in seiner Lebensauffassung zu rückständig, das K. J. V. andererseits zu revolutionistisch ist, so müssen wir zugeben, daß für sie der Weg zum B. Z. K. der bequemste ist, da er in der Mitte liegt. Der B. Z. K. wird dann wachsen auf Kosten des K. J. V. Wenn ich nun erst noch sehe, welche Gesinnung sich bereits bei vielen Bundesbrüdern dem neuen Kartell gegenüber ausgebildet hat, wenn ich sehe mit welcher nasenrümpfenden und verächtlichen Art manche bereits bei uns beginnen, über den B. Z. K. zu sprechen, dann kann ich mir ungefähr vorstellen, zu welchen Folgen der Gehässigkeit es kommen wird, wenn einmal der Konkurrenzkampf beiderseits die feindliche Leidenschaft voll uiid ganz entfacht haben wird. Das muß verhindert werden. Die Entwicklung dieses Prozesses hat allerdings leider bei vielen Bundesbrüdern bereits begonnen, ihr Urteil zu beeinflussen, und doch handelt es sich im B. Z. K. nur um Menschen, die man kurz zuvor noch „Bundesbrüder" nannte. Haben denn diese ihren Wert so plötzlich von gestern auf heute verändert? Wer heute verurteilen kann, was er noch gestern Bundesbruder nannte, dessen Bundesbrüderlichkeit scheint ein dehnbarer Begriff zu sein. Es könnte einer sagen, das Zusammengehen mit dem B. Z. K. ist deshalb unmöglich, weil sie ein leichteres und nicht so weitgehendes Programm haben als wir. Daraufhin möchte ich fragen, wie viele sind denn unter uns, die ihr schwereres Programm überhaupt voll erfüllen, ja ich möchte sogar fragen, wieviel sind unter uns die noch nicht einmal dem Programm des B. Z. K. gerecht werden? Wir sehen die Gegensätze sind faktisch gar nicht so groß. Es sind Uebergänge vorhanden; und die Spalte zwischen den beiden Kartellen entspricht nicht etwa irgend einer talsächlichen Differenzierung, sondern sie ist nur eine Explosionszerreissung mitten in einem kontinuierlichen Uebergang. Ja man kann sogar sagen, daß der größte Teil der „B. Z. K. er" nicht im B. Z. K. sondern im K. J. V* steckt. Man gebe sich nur nicht der Illusion hin, durch diese Spaltung sei ein für alle mal die Einheit Im K. J. V. hergestellt. Die Anschauungen werden nach wie vor aufeinanderstoßen. In der Tat bietet der Antrag des B. V. Oberschlesien auf einen a. o. K. T. bereits neue Kristallisationspunkte für die Zweiheit im K. J. V. Der eine umfaßt die Leute die für, der andere die gegen den Antrag sind. Und das ist im Prinzip das alte Lied. Auf dieser Basis wird sich im neuen Kartelljahr genau derselbe Prozeß wieder entwickeln wie im alten, eben deshalb weil auch trotz der Spaltung der Wurm noch nicht entfernt ist, der an unseren Wurzeln nagt. Das endlich einmal zu erkennen, dieser Wirklichkeit endlich einmal ohne Vogel-Strauß-Politik ins Auge zu sehen, ist unsere jetzige Pflicht. Es ist eine Selbsttäuschung, wenn man glaubt mit weniger Fleißigen (im zionist. Sinne) deshalb nicht zusammen arbeiten zu können, weil sie die Arbeit der