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Der jüdische Student · 1920-04-01 · Heft 2 (April 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 2 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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90 Marcus, Fusionsverbandlungen Ich bin — ich sage es im Gegensatz zu meiner früheren Auffassung — davon überzeugt, daß der schwache deutsche Zionismus zwei sich bekämpfende Lager in der Studentenschaft nicht vertragen wird. Man sage nicht, daß der Kampf trotz der Trennung vermieden werden könnte. Wer das sagt, verbindet sich die Augen vor der Wirklichkeit. Was ist also zu tun? Ohne die Schuldfrage zu prüfen, müssen sofort offizielle Verhandlungen zum Zwecke einer Fusion aufgenommen werden. Von ähnlichen Gedanken mögen die oberschlesischen Bundesbrüder ausgegangen sein, als sie den Eintritt in Verhandlungen mit dem B. Z. IC beantragten. Als Grundlage für die Einigung regten sie an: a) formell: Neuwahl des Präsidiums unter Berücksichtigung aller Strömungen. b) materiell: Aenderung der K. T. Statuten, um den einzelnen Verbindungen ein Sonderleben zu ermöglichen. •Höchst bedauerlich ist .es, daß das Präsidium Monate verstreichen ließ, ehe es der Anregung der Oberschlesier folgte. Erst kurz vor Peßach hatte es beschlossen, in Verhandlungen einzutreten, sofern das Präsidium des B. Z. IC hierzu bereit sei. Da ich Peßach in Breslau sein wollte, erhielt ich den Auftrag, das Präsidium des B. Z. K., bezw. Steinitz, mit dem ich ohnedies dauernd in guter Fühlung stehe, zu befragen, ob die Möglichkeit zu voraussetzungslosen Verhandlungen bestehe. Gleichzeitig wurde beschlossen, daß Bbr. Lelewer im Bejahungsfalle nach Breslau fahren solle. Später wurde einstimmig beschlossen, auch noch Bbr. Kirschner, der zahlreiche persönliche Beziehungen zu den Ausgetretenen hat, nach Breslau mitzuschicken. Das Präsidium ging davon aus, daß keinerlei Prestigepolitik getrieben werden dürfe, daß nur von ehrlichem Willen zur Einigung getragene Männer ohne gebundene Marschroute frei miteinander verhandeln sollten, damit die Fusion nicht an festgelegten Worten oder Phrasen scheitere. Das Präsidium kann ja auch die Bedingungen des Eintritts der B. Z. K.-Verbindungen ins K. J. V, — nur darum kann es sich heute doch handeln — nicht allein festsetzen. Deshalb kann es nur so gemacht werden, daß die Präsidien zunächst miteinander verhandeln. Im Falle der Einigkeit der beiden Präsidien kann dann ein gleichzeitig einberufener K. T. beider Kartelle die Einigung billigen oder verwerfen. Zu meiner größten Ueberraschung bekomme ich heute folgende Mitteilung von Steinitz: Lieber Marcus! Das Präsidium des B. Z. K. hat in der Sitzung vom 15. 4. 20 davon Kenntnis genommen, daß Du im Auftrage des Präsidiums des K. J. V. an mich mit der Anfrage herangetreten bist, ob die Möglichkeit zu Verhandlungen über eine Fusion bestände. Das Präsidium des B. Z. K. hält sich nicht für competent, in Vorverhandlungen mit dem Präsidium des K. J. V. über eine Fusion einzutreten, ohne vorher die Korporationen befragt zu haben. Es würde an die Korporationen mit dieser Frage aber erst dann herantreten, wenn formulierte Vorschläge über die Grundlagen zu Verhandlungen vonseiten des K. J. V. vorliegen. .....gez. Dein Steinitz Daß das Präsidium«. des B. Z. K. sich hinter den Corporationen verschanzt, zeigt nicht gerade eignen guten Willen. Daß es ,.formulierte Vorschläge" haben will, bevor es sich mit uns an einen Tisch setzt, zeigt, daß es unseren ernsten zionistischen Willen nicht erkannt hat. Seine Forderung wäre verständlich, wenn wir die B. Z. K.-er nach Berlin gebeten hätten; da

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