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Der jüdische Student · 1920-04-01 · Heft 2 (April 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 2 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Marcus, Fusionsverhandlungen 89 weil es schon heute oder heute wieder der stärkste Teil der Jugendbewegung ist. Wir sehen keine andere Gruppe, die es unternehmen könnte, den Geist des jungen Zionismus in einer einheitlichen Jugendbewegung zusammenzubinden. Das K. J. V. verfügt über die Methoden, die Jugend, also eine menschliche Beschaffenheit, in den Dienst der zionistischen Gesinnung zu stellen. Das ist sein großer Vorzug vor dem Hapoel Hazair, der jugendlichen Zionismus zum Programm macht, der es aber in Deutschland nicht fertig gebracht hat. Gemeinschaften zu bilden, in denen junge Menschen miteinander leben und gebildet werden, sondern sich statt dessen in oberflächlichen und belanglosen Partei-Allüren bewegt. Die geschichtliche Entwicklung des deutschen Zionismus hat dem K. J. V. die besonderen Fähigkeiten verliehen, die zionistische Jugendbewegung zu bilden. Dieser Besitz bedeutet eine Verpflichtung der sich das Kartell nicht entziehen kann. Fusionsverhandluiigen! Eine Reihe von K. J. V.-ern sehen mit schwerster Sorge auf die Zuspitzung des Kampfes zwischen K. J. V. und B. Z. K., dem immer neue Argumente zuströmen, meist solche, die bei der Trennung nur die geringste Rolle gespielt haben. Diese K. J. V.-er sehen mit Abscheu und Bangen, wie die völlig unnötige Fehde in der zionistischen Studentenschaft über diese hinaus zu gehen beginnt. Das zionistische Gewissen gebietet deshalb immer wieder, nach den inneren Gründen dieser Trennungskämpfe zu fragen. Auf diese Frage soll hier nicht eingegangen werden. Ich will nur allen denen, die es nicht wissen, als Augenzeuge wiederholen, daß der eigentliche Anlaß zur Spaltung Personen und nicht Ideen waren, Personen zwar, die verschiedene Temperamente repräsentieren, die deshalb nicht in gleichem Tempo, mit gleicher Intensität die Dinge erfassen, aber nicht solche, die sich in ihren letzten Zielen grundsätzlich unterscheiden. Der Präside des Bundes zionistischer Korporationen, unser sehr geschätzter Walter Steinitz, hat mir gegenüber die beiden Gruppen als die „radikalen" und die „minder radikalen" bezeichnet. Er selbst gibt zu, daß wir nach demselben Ideal hinstreben und daß deshalb, wenn sich auch radikale und minderradikale Fraktionen im Zionismus bilden würden, die Organisierung der beiden Richtungen in besonderen studentischen Verbänden nicht erwünscht sei. Ich glaube aber, daß sich in beiden Verbänden mehr und minder radikale Zionisten befinden und daß dieses Unterscheidungsmerkmai für beide Teile nicht paßt, daß es kein Grund zur Trennung war und ist. Die B. Z. K.-er lehnen es ab, in Gotthold Weils Artikel das Erziehungsprogramm des B. Z. K. zu sehen. Steinitz selbst will z. B. in der Eingabe der „Hundert um Carl Lewin" keine Erziehungsgrundsätze sehen, sondern nur Tatsachen und ein Programm zionistischer Taktik in Deutschland. Die Auseinandersetzung über diese Fragen kann aber auch in einem einheitlichen Kartell geschehen und bildet keinen Grund zu organisatorischer Spaltung. Wir werden in der kommenden Zeit tiefer zionistischer Erschütterung und Enttäuschung das Gemeinsame unserer Bewegung wieder stärker betonen müssen und uns den Luxus des Partikularismus aller Schattierungen nicht gestatten dürfen. Wir werden froh sein, wenn wir e i n Präsidium und eine Zeitschrift werden erhalten können und werden nicht die Sünde begehen dürfen, unsere Kräfte und unser Geld im Kampfe gegeneinander zu verzetteln.

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