Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 2 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Bileski, Der akademische Rahmen 85 Lebensformen nach allgemeinen jüdischen Gesichtspunkten gestaltet werden könnten. Diese Gründe für das akademische Prinzip bestehen nicht mehr. Die Beschäftigung mit den theoretischen Aufgaben hat viel vom Charakter der Diskussion verloren und zu einer bestimmten geistigen Ausbildung geführt, die für jede zionistische Erziehung notwendig ist. Die jüdische Jugendbewegung hat alle ihre Glieder in starkem Maße mit idealistischem Geiste erfüllt, Vorzüge der Akademiker sind in dieser Beziehung ihnen gegenüber nicht mehr vorhanden. Zugleich besteht das Bedürfnis, in den Formen, und gerade auch in den Gemeinschaftsformen, die Besonderheit jüdischen Lebens zum Ausdruck zu bringen, den jüdischen Aufgaben Rechnung zu tragen. Wenn also eine Begründung für die Akademische Exklusivität kaum noch gegeben werden kann, so ist darüber hinaus festzustellen, daß das Erziehungsziel des K. J. V. keineswegs nur für Studenten Geltung hat. Die Studentenverbindungen waren früher einmal die einzige Gruppe, die als zionistische Jugendbewegung angesehen werden konnte, in manchen Ländern außerhalb Deutschlands ist das so geblieben, während bei uns andre starke Gruppen aufgetreten sind, mit denen zusammen erst die Studentenschaft die Jugendbewegung verkörpert. Es ist daher erklärlich, daß bei uns zuerst das Bedürfnis entsteht die isolierte Stellung der Studentensschaft zu beseitigen und nachzuprüfen, wieweit die ausschließliche Betonung der Zugehörigkeit zu diesem bestimmten Stande für eine Organisationsform der Jugendbewegung notwendig und berechtigt ist. Es ist nun nicht einzusehen, weshalb die Erziehung zum jüdischen Manne oder zum jüdischen Staatsbürger sich gerade auf Akademiker beschränken muß. Alle die Eigenschaften, die wir unsern Bundesbrüdern geben wollen, sind für alle Teile der Jugendbewegung wichtig. Sie sind genau so wertwoll beim Kaufmann oder Landwirt. Sie sind auch bei den Angehörigen dieser Berufe wenn sie in der jugendlichen Zeit der Berufsvorbereitung oder des Anfangs der Berufstätigkeit erfaßt werden, die ja auch beim Studenten für unsere Erziehungsarbeit allein in Betracht kommt — genau so zu erreichen wie beim Akademiker. Hierbei ist der naheliegende Einwand zurückzuweisen, daß die Erziehungsarbeit des K. J. V. nur für Menschen passe, die viel Zeit haben. Die Unterschiede in dieser Richtung sind nicht mehr wichtig. Im akademischen Beruf wird heute erheblich mehr, in anderen Berufen erheblich weniger Zeit verlangt als früher. Vor allem aber sind die anderen Berufsgruppen, wenn ihre Arbeit Erfolg haben soll, auf die im K. J. V. geübten Erziehungsmethoden angewiesen. Sie sind für die nicht akademischen Berufe nicht nur genau so wertvoll, sondern — und das ist entscheidend für diese Frage — genau so notwendig. Die Bildung solcher Menschen, wie sie das Ziel der K. J. V.-Arbeit sind, muß das Ergebnis der gesamten Jugendbegung in allen ihren Zweigen werden. Denn jeder Teil der Jugendbewegung muß sich damit rechtfertigen können, daß er Menschen hervorbringt, die zum Aufbau des jüdischen Volkes geeignet sind* Wenn wir glauben, die richtigen Erziehungsmethoden im K. J. V. gefunden zu haben, müssen wir zugleich erkennen, daß sie nicht das Sondergut von Studenten bleiben dürfen. Wir sind überzeugt, daß unser Weg der richtige ist, junge Zionisten zu erziehen, daß er notwendig für alle ist, die imstande sind, als junge Männer eine zionistische Erziehung durchzumachen. Dann müssen wir auch wissen, daß es unser Ziel sein muß, alle jungen Zionisten