Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 2 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Bileski, Der akademische Rahmen Fortkommen finden und obendrein an einem der wichtigsten Punkte jüdische Arbeit leisten. Es scheint mir die Aufgabe der K. J. V.-er zu sein, bei ihrer Jugendarbeit in den Organisationen, die aus Schülern bestehen, mit aller Entschiedenheit auf eine Berufswahl in diesem Sinne hinzuwirken. Die K. J. V.-Korporationen haben ihrerseits die Verpflichtung, junge Bundesbrüder bei der Berufswahl zu leiten und solche, die falsch und schlecht gewählt haben, möglichst schnell von ihren Irrtümern abzubringen. Wir brauchen Menschen, die erkannt haben, daß die Berufswahl die Beantwortung der Frage bedeutet: in welcher Weise habe ich Neigung und Begabung, meine Fähigkeiten für die Sache des jüdischen Volkes einzusetzen? Der akademische Rahmen Von Moritz Bileski, Berlin Die Leistung des K. J. V. besteht heute in der erzieherischen Wirkung, die es auf seine Mitglieder ausübt. Das war nicht immer so, die Gruppen, aus denen sich das Kartell bildete, dienten in den Anfängen ihrer Tätigkeit der Erörterung und Verbreitung des zionistischen Gedankens in einer Weise, die das erzieherische Moment, den Einfluß auf den Charakter und die Forderungen nicht so sehr in den Vordergrund stellte. Die Entwicklung des Kartells, insbesondere die Aufnahme des sogenannten korporativen Gedankens, hat zu der Feststellung geführt, daß man dem jüdischen Ziel am besten diene, wenn durch das Kartell bestimmte menschliche Werte hervorgebracht würden. Der Sinn dieser K. J. V.-Erziehung ist durch Schlagworte wie Erziehung zur Männlichkeit, Verantwortlichkeit zur Fähigkeit pflichtbewußten Dienstes für die Gesamtheit ausreichend bezeichnet worden, er ist allgemein bekannt und noch in den Diskussionen des letzten Kartelljahres oft. genug besprochen worden. Die Verbindungen des K. J V. haben den Kreis ihrer Mitglieder bisher auf Akademiker beschränkt. Diese Begrenzung lag nahe und war richtig, so lange die Tätigkeit des Kartells von dem oben erwähnten theoretischen Charakter bezeichnet wurde. So lange es galt, Gedanken zu klären und zu verarbeiten, mußte man sich an Akademiker wenden, die für eine Propaganda dieser Art — eine Propaganda mit Problemen — naturgemäß fast allein in Betracht kommen. Man konnte wohl auch nur in dieser Gruppe des deutschen Judentums auf. die idealistischen Voraussetzungen rechnen, die für zionistische Wirkungen von jeher notwendig waren. Das akademische Prinzip war auch verständlich, solange man sich für die erzieherischen Einflüsse der gegebenen Formen der deutschen Umwelt bedienen mußte, die in der studentischen Verbindung ein brauchbares Vorbild enthielten.'Ein Bedürfnis für Abänderungen bestand nicht, weil der Zionismus nur die Ueberzeugung und nicht das Leben bestimmte; man konnte nicht auf den Gedanken kommen, daß auch die