Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 17 (1920)
- Issue
- Heft 2 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537754-3537756--4884-3543049- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Löwenstein, Berufswahl der Verwirklichung treten. Ueber die Möglichkeiten jüdischer Betätigung in Osteuropa ist gelegentlich bereits in unserem Kreise gesprochen und geschrieben worden. Ich glaube, daß sie ziemlich große sind, und zwar auf den verschiedensten Gebieten : Lehrer, wenn sie hebräisch können, Organisatoren für die Gemeinden des Ostens unter derselben Voraussetzung und wenn sie Erfahrungen haben vielleicht auch Nationalökonomen, Juristen und Kaufleute, wenn das jüdische Genossenschaftswesen weiter fortschreitet. Aber viel zu wenig beachtet werden bei uns jüdische Berufsmöglichkeiten in Deutschland. Ich will mit dem naheliegendsten beginnen, mit der zionistischenOrganisation. Sie leidet heute bereits unter dem Mangel an wirklich fähigen und willigen Mitarbeitern. Sie ist ohne Zweifel in einer schwierigen Situation. Denn sie ist nicht imstande, die Gehälter zu zahlen, die heute in manchen anderen Berufen erreicht werden können. Hier muß eben die idealistische Gesinnung zur Geltung kommen, hier muß sich eben zeigen, ob Menschen bereit sind, für unsere Sache die geringen materiellen Opfer zu bringen, die sie in diesem Falle erfordert. Eine weitere wichtige Berufsmöglichkeit bietet die ostjüdische Einwanderung. Unser Arbeitsamt braucht Menschen, neue Filialen entstehen, Organisationen der Arbeiterschaft sind in Bildung begriffen. Diese ostjüdische Arbeit wird vielleicht in kürzester Zeit einen ungeahnten Umfang annehmen. Sie bietet Möglichkeiten gerade für diejenigen Berufe, d»e heute sich am unglücklichsten fühlen, für die Juristen und Nationalökonomen. Es ist bisher nicht möglich gewesen, eine wirklich lebensfähige Organisation der Ostjuden zu schaffen, nur aus Mangel an Leuten. Das ein Beispiel für viele. Ein weiterer Komplex von Berufen sind die jüdischen Gemeinden und sonstigen allgemeinen jüdischen Institutionen in Deutschland. Wir sprechen von der Eroberung der Kultusgemeinden, von d^m neuen jüdischen Leben, das in Deutschland erstehen soll, von der Volksgemeinde mit ihrem großen Aufgabenkreis. Aber das alles sind Utopien, wenn wir glauben, daß einige Zionisien, die als Repräsentanten in die Gemeinden kommen, diesen Umschwung vornehmen können. Dieser Umschwung kann nur geschehen durch zionisiische Gemeindebeamte, durch die Männer, die den Assimilanten nicht nur an jüdischem Wollen überlegen, sondern auch an Kenntnis mindestens gewachsen sind und Erfahrungen in der Gemeindearbeit haben. Daß auch der Rabbinerberuf hierzu gehört, braucht nicht gesagt werden, bei ihm freilich wird die Stellung zum religiösen Problem entscheidend sein. Endlich sei hier noch kurz auf die k u 11 u r"e 11 e n und wissenschaftlichen Möglichkeiten hingewiesen. Wer heute hebräisch so gut beherrscht, um es unterrichten zu können, wird in Deutschland, auch anderswo (Deutschösterreich etc.) stets sein