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Der jüdische Student · 1920-04-01 · Heft 2 (April 1920) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
17 (1920)
Issue
Heft 2 (April 1920)
Date
1920-04-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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82 Löwenstein, Berufswahl kenner zu erhalten, die ihren Beruf für uns fruchtbar zu machen verstehen. Die zweite Voraussetzung für jede Berufswahl im Sinne des Zionismus scheint mir die bereits erwähnte Ueberwindung aller sozialen Vorurteile zu sein. Man wird dann gerade umgekehrt zu einer ganz anderen Bewertung kommen. Man wird diejenigen Berufe schätzen lernen, die wirklich aufbauenden Charakter haben, und diejenigen nicht mehr wählen, die den in unserer Theorie so häufig bekämpften Vermittler- und Händlercharakter haben. Der neue Begriff der Arbeit, wie ihn Gordon und der palästinensische Hapoel Hazair aufgestellt haben, scheint mir einer der wertvollsten und fruchtbarsten Oedanken der nationalen Bewegung zu sein. Und für den Blau-Weiß scheint es mir kein stärkeres Argument zu geben, ' als die Jungen und Mädchen, die trotz des Widerstandes der Eltern Bauern und Handwerker werden. Das ist ein ehrendes Zeugnis für seine Erziehung, wie sie keine andere Jugendorganisation aufzuweisen hat, eine Erziehung, die dazu führt, daß die Erzogenen ihren Zionismus in die Wirklichkeit umzusetzen beginnen. Diese neue Einstellung zum Begriffe der Arbeit ist aber unzertrennlich verknüpft von der Aenderung der materiellen Ansprüche. Solange die Höhe der Einnahmen das Entscheidende bei der Berufswahl ist, solange zionistische Berufe von den Geeignetsten nicht ergriffen werden, weil sie ihren großen Ansprüchen nicht genügen, kann von einer zionistisch orientierten Berufswahl keine Rede sein. Wer von seinem Beruf nicht mehr erwartet, als die zur Existenz erforderlichen Mittel, wem es nicht darauf ankommt, Reichtümer zu sammeln, für den wird die Berufsfrage sofort anders liegen. Vielleicht wird bei dieser Gelegenheit die Bemerkung erlaubt sein, daß unsere Bundesbrüder, die in wirklich guten Verhältnissen sind, noch dazu nur sehr selten daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen, indem sie sich für zionistische und Kartellzwecke entsprechend der Höhe ihrer Einnahmen besteuern. Die persönlichen Momente, die bei der Berufswahl mitzusprechen haben, scheinen mir damit klargelegt. Sie gewinnen ihre Bedeutung natürlich erst durch den großen nationalen Zusammenhang, in dem sie für uns stehen. Es wird einen wirklich befriedigenden Beruf ja nur für denjenigen geben können, der seinen Beruf in und für eine jüdische Gemeinschaft ausübt. Und wenn so die Persönlichkeit um ihrer selbst willen den jüdischen Beruf verlangt, so braucht das jüdische Volk auf der anderen Seite eine unendliche Anzahl von Menschen in allen Berufen. Ich will hier nicht über die palästinensischen Berufsfragen sprechen. Dieser Teil des Problems ist oft genug bei uns behandelt worden, und er wird es in immer^höherem Maße werden, je mehr die palästinensischen Dinge in das Stadium

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